Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

354 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
Und so lenkte denn der Korse zum Frieden ein, zumal er 
nicht im Zweifel war, daß dessen Bestimmungen Ästerreich für 
ihn unschädlich machen würden. 
Nachdem am österreichischen Hofe wenig erfreuliche Aus— 
einandersetzungen stattgefunden hatten, denen Erzherzog Karl 
und Graf Stadion zum Opfer fielen, übernahm Metternich, 
vorher österreichischer Botschafter in Paris, die Geschäfte: es 
sind die Anfänge leitender Tätigkeit des bald alles beherr⸗— 
schenden Ministers. Allein die Verhandlungen, die mit Napo— 
leon in Ungarisch-Altenburg geführt wurden, rückten nicht vor⸗ 
wärts; und so ergab sich auch jetzt noch Zeit genug zur Über— 
legung, ob man denn nicht besser daran tue, das Kriegsglück 
noch einmal zu versuchen. Dies um so mehr, als am Hofe noch 
eine Anzahl unerschrockener Rater zum Kriege tätig war, an 
ihrer Spitze die Kaiserin Maria Ludovika. 
In Deutschland aber waren inzwischen, nach dem glücklichen 
Ausgange der Schlacht von Aspern, die Erwartungen aufs 
höchste gestiegen; schon hatten vereinzelt Insurrektionen statt— 
gefunden, von denen bald erzählt werden wird; allenthalben 
hofften die Patrioten jetzt, nach einem Erfolge Osterreichs, auch 
auf Preußens Erhebung. Denn ihnen war doch immer noch Oster⸗ 
reich der eigentliche große Feind der französischen Revolution 
und des korsischen Gewaltherrn: war doch die österreichische 
Politik allein den Überflutungen der französischen Heere be⸗ 
ständig und folgerichtig entgegengetreten. Wenn nun aber auch 
Preußen losschlüge', würde sich dann Rußland der Teilnahme 
am Kampfe enthalten können? — Nach der Schlacht bei 
Aspern war, ein Sendling des Wiener Hofes, der Oberst 
von Steigentesch nach Königsberg gekommen, um sich der 
Meinung König Friedrich Wilhelms in diesen schweren Läuften 
zu versichern. Und er hatte für den Fall, daß der König in 
den Krieg einträte, ihm nahegelegt, sich zunächst auf Sachsen 
zu stürzen und dort eine erste Deckung der Kriegskosten zu 
suchen, die das verarmte Preußen einstweilen nicht tragen 
konnte. Allein er hatte eine kühle Aufnahme gefunden. „Das 
ist recht gut“, meinte Friedrich Wilhelm, „aber man muß doch
	        
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