Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Freiheitskriege: 1809, 1813. 
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etwas haben, mit dem man vorrücken und mit dem man 
schießen kann. Hier fehlt es an allem, nicht einmal dressierte 
Leute habe ich. Meine Artillerie in Schlesien, wo das meiste 
Geschütz ist, hat noch keinen Schuß, nicht einmal auf die 
Scheibe, getan, weil ich kein Pulver habe. Das sind lauter 
neue, ungeübte Leute, da die Artillerie vorher meistens aus 
Polen bestand, die nach Hause gegangen sind und jetzt leider 
gegen uns dienen; wir werden dereinst alles tun, kein Mensch 
ist dabei interessierter als ich; aber jetzt ist der Augenblick noch 
nicht da. Glauben Sie mir, daß es einem König von Preußen 
diel kostet, wenn er gestehen muß, wie unbedeutend seine Mittel 
sind, und daß er an den Begebenheiten nicht den Anteil nehmen 
kann, den er gern nehmen möchte und den die Notwendigkeit 
von ihm fordert.“ 
Aber die patriotische Bewegung wuchs inzwischen immer 
mehr, und nach Wagram war sie so stark, daß Friedrich Wil⸗ 
helm ihr nicht mehr widerstehen konnte. Und nun sandte er 
seinerseits den Obersten von dem Knesebeck in das österreichische 
Dauptquartier: mit der vollen Freiheit, mit Hsterreich ab— 
zuschließen, falls er die kaiserliche Armee noch leistungsfähig 
genug finde: nur müsse, unter Aufhebung des bestehenden 
Waffenstillstandes, der erste Schuß aus österreichischen Ge— 
wehren fallen. Aber jetzt fand sich wiederum Hsterreich nicht 
fähig, von neuem in den Kampf einzutreten! Ausschlaggebend 
war dabei wohl, daß Preußen als Bedingung seiner Waffen⸗ 
brüderschaft Gleichstellung mit Osterreich in einem künftigen 
reorganisierten Deutschland verlangte: schon spielten die Probleme 
des deutschen Dualismus verhängnisvoll hinein in die Absichten 
auch nur der Befreiung und Abwehr. 
Jedenfalls wurde jetzt Kaiser Franz mit sich einig, unter 
allen Umständen mit Napoleon zum Frieden zu gelangen. 
Der Wiener Friede vom 14. Oktober 1809 legte dem 
Hause Habsburg in seinen öffentlichen Bestimmungen der 
Hauptsache nach die Abtretung Salzburgs, Berchtesgadens und 
des Innviertels zugunsten Bayerns und den Verzicht auf alle 
Länder ungefähr südlich der Drau zur Herstellung eines Landes 
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