Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

360 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
überlassen! Ja schon drangen diese von neuem ein. Dennoch 
war eben dies erst der Augenblick, da sich der Mut der bäuer— 
lichen Herzen im Lande ganz entband. Denn wer wollte 
schließlich daran glauben, daß der Kaiser sein teures Land 
Tirol aufgebe? Jetzt eben nahe die Zeit, da die Völker 
auch unten im Flachland sich gegen die Bedrücker erheben 
würden: und ihnen voran sollten die Fanale des Auf— 
stands von den Firsten der Berge leuchten. Jetzt nahm 
Andreas Hofer, der Bauernregent, von Kaisers Gnaden Ober— 
kommandant von Tirol, die Leitung des Landesschicksals selbst 
in die schwielige Hand; und in dem Engpasse jenseits Sterzing, 
da, wo die Eisack sich der Etsch nähert, in der Oberau, ver— 
galt man's zuerst den Feinden, die sich so weit herein— 
gewagt hatten. Bauernhaufen unter Speckbacher und Peter 
Mayr, dem Wirt an der Mahr bei Brixen, rasch zusammen⸗ 
gelaufen, ließen Steinlawinen auf die Eindringlinge los und 
stießen dann hinab zu ihnen ins Tal; was nicht niedergemacht 
wurde, wurde gefangen genommen. Nicht anders erging es 
einem Regiment Bayern, das auf Umwegen über Bozen den 
Bauern in den Rücken fallen sollte: an der Pontlatzer Brücke 
wurde es mit rollenden Steinen begrüßt, bei Landeck, da wo 
man vom Oberinntal eingeht ins untere Engadin, eingeschlossen 
und unschädlich gemacht. Da ließ sich denn auch die zentrale 
Stellung der Bayern unmittelbar südlich des Brenners nicht 
mehr halten; von 18000 Bauern umdrängt, gingen die 
fremden Völker über den Brenner zurück, und eine erneute 
Schlacht am Berge Isel, am 13. August, warf sie zum dritten— 
mal aus dem Lande. Doch wollten sich diesmal die Bauern 
nicht mehr mit der bloßen Abwehr begnügen; den Kaiser über⸗ 
haupt zu befreien, zunächst einmal mindestens Salzburg zu 
nehmen, war ihre Absicht. Und schon hatte Haspinger den Paß 
Lueg genommen, stand Speckbacher vor Reichenhall: als die 
Nachricht vom Wiener Frieden durchs Land ging, Tirol sich 
den Bayern ausgeliefert sah und neue Exekutionstruppen von 
bisher unbekanntem Umfang zu erwarten waren. 
Freilich: der Kaiser hatte in dem Frieden den Bewohnern
	        
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