Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Freiheitskriege: 1809, 1815. 
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von Tirol und Vorarlberg, die an der „Insurrektion“ teil— 
genommen hatten, eine volle und gänzliche Verzeihung seitens 
der Bayern und Franzosen ausgewirkt. 
Aber die Bauern wollten sie nicht. Von neuem ent— 
spann sich der Kampf; man glaubte überhaupt nicht an den 
Frieden! Und dem Hause Hsterreich läßt sich der Vorwurf 
nicht ersparen, daß es diesen Glauben durch sein Verhalten 
gegen Hofer und andere Bauernführer eher gestärkt als zerstört 
hat. Am 1. November kam es wieder zum Kampfe um den 
Berg Isel, und diesmal stürmten ihn die Bayern. Dann zog 
sich der Krieg über den Brenner in die großen Täler des 
Süudens und Südostens; in zügellosem Fanatismus, teilweis 
wenigstens, verlief er; Muttergotteserscheinungen fachten das 
Feuer von neuem an; mit zähester Hartnäckigkeit wurde 
im Pustertal, um Bozen, um Meran und um die namengebende 
Burg des Landes, das Schloß Tirol, gefochten. Aber schließ⸗ 
lich unterlag der Bauer der Übermacht, spärlicher und spär— 
licher wurden die Scharmützel, und der Dezember hörte die 
letzten Schüsse verhallen. 
Kann man es den Bayern verdenken, daß auch sie schließ⸗— 
lich erbittert im Lande hausten? So sehr ihr Kronprinz 
Ludwig Milde und Menschlichkeit geboten hatte und hatte walten 
lassen, ehe der letzte unsinnige Kampf begann: jetzt rauchten 
mehr als achthundert Brandstätten in den Tälern und auf 
den Halden. Das Schicksal der Führer aber ist bekannt. 
Andreas Hofer insonderheit, der Oberkommandant, wurde von 
den Franzosen in Banden nach Mantua geführt; und hier 
starb er am 20. Februar 1810 den Heldentod für Freiheit, 
Kaiser und Vaterland. 
Zwischen dem Berge Isel und dem Schlosse Amras aber, 
dem Sitze einst der schönen Bernauerin und dem Herrscher⸗ 
schlosse weiland der selbständigen Grafen von Tirol, wie im 
weiteren Umkreise des Berges Isel lagen Hunderte, ja wohl 
Tausende tapferer Bauern zum letzten Schlafe gebettet: und 
da, wo die Grabesreihen sich auch heute noch dichter drängen, 
auf dem früheren Turnierplatze der Ritter und Jungherren
	        
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