Die Freiheitskriege: 1809, 1818.
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II.
Inzwischen war es aber auch in Mitteldeutschland, jenseits
des Thüringer Waldes und der Sudeten, zu rebellischen Be—
wegungen freilich ganz anderer Art gekommen.
Man darf sagen, daß es in diesen Gegenden, von den
zstlichen Departements des Königreichs Westfalen bis zur
Weichsel und zum Niemen, schon seit dem Jahre 1807 immer
stärker zu gären begann. Und es konnte nicht ausbleiben, daß
diese Gärung zur Organisation drängte.
Der Deutsche ist kein Verschwörer. Die nationale Ge⸗
schichte weist wohl plötzliche Gewalttaten Einzelner und ge⸗
legentlich auch kleiner Gruppen auf; zur versteckten Vor⸗
bereitung mehr allgemeinen heimtückischen Widerstandes sind
wir nicht geboren; nicht Verrina, Tell ist unser Ideal.
Was bedeutete es unter diesen Umständen, daß sich jetzt, in
den Jahren nach 1807, gleichwohl geheime Organisationen
hildeten! Und doch wieder, wie charakteristisch entwickelten sie
ich; wie glichen sie mehr einer lutherischen Gemeinde der
Helligen, als einem Aktionskomitee der Karbonari:
Wo sich Gottes Flamme
In ein Herz gefenkt,
Das am alten Stamme
Treu und liebend hängt;
Wo sich Männer finden,
Die für Ehr' und Recht
Mutig sich verbinden,
Weilt ein frei Geschlecht.
(Max von Schenkendorf.)
Da war es denn am Ende selbstverständlich, daß alle diese
Organisationen als solche in den Anfängen stecken blieben und
im Grunde nichts geleistet haben. Die bekannteste und größeste
bon ihnen war der „Tugendbund“. Von einem Assessor
von Bardeleben begründet, von Königsberg ausgehend, war er
ein „sittlich-wissenschaftlicher Verein“, eine „Gesellschaft zur
UAbung öffentlicher Tugenden“, der, entsprechend der allgemeinen