364 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
pädagogischen Tendenz der deutschen Verfassungsentwicklung
und darin einig u. a. auch mit Fichte, eine Befreiung vom
fremden Joche vor allem durch „Verbesserung des sittlichen
Zustandes“ anstrebte. Gefährlich erschien er somit eigentlich
nur den Franzosen, die ihn nach dem Maßstabe romanischer
Konspirationsneigungen einschätzten. Das deutsche Urteil aber
hat ihm scharf, nach einer unerwarteten Richtung hin und
doch nicht unrichtig bereits der Freiherr vom Stein, den man
so lange für einen Tugendbündler gehalten hat, gesprochen:
„Der Staat bedarf nicht der Pfuscherei, welche der Tugend⸗
verein in beinahe allen Zweigen der Administration zu treiben
beabsichtigt, und seine Regeneration muß auf einem anderen,
als dem von diesem Bunde vorgeschlagenen Wege beginnen.“
Konnten sich so der Bund und geheime Organisationen
überhaupt einer Unterstützung der preußischen Regierung keinen
Falles versehen, denn der König dachte wie der Freiherr, so
lag es schon damit nahe, daß sie nicht östlich, sondern westlich
der Elbe, im eigentlichen, nun nicht mehr preußischen Mittel—
deutschland bis hinein in die westfälisch-rheinischen Gebiete
—DDDD— nicht
zu eigentlich hinterhaltigem Vorgehen: was sie bezeichnete, war
vielmehr das unbedingte und vorschnelle Hindrängen zur un—
genügend vorbereiteten Tat und damit nicht Aufopferung,
sondern Hinopferung fur eine bessere Zukunft des Volkes.
Als der Krieg Napoleons mit sterreich drohte, als alle
patriotischen Herzen der so heiß ersehnten Hilfe des Nordens
für Osterreich entgegenschlugen, rief der ehemalige preußische
Offizier von Katt mit einigen Kameraden die Bauern der Alt⸗
mark, ein wetterfestes Geschlecht, auf und bedrohte mit ihnen
Halberstadt und Magdeburg. Seine Bande wurde von den
Franzosen zersprengt; er flüchtete nach Böhmen, bald dem all⸗
gemeinen Unterschlupfslande der nördlichen Aufwiegler.
Katt hatte Verbindungen mit einer Verschwörung im
Königreiche Westfalen gehabt. Dort beabsichtigte eine Gesell—
schaft von Edelleuten, Offizieren, Beamten unter Führung des