Die Freiheitskriege: 1809, 1815. FJ 365
Obersten Dörnberg, eines Flügeladjutanten des Königs Jeröme,
dessen Herrschaft zu stürzen. Der Versuch mißlang; Dörnberg
wurde an der Spitze einer kleinen aufständischen Truppe ge—
schlagen und flüchtete ebenfalls nach Böhmen; Poarallel⸗
erhebungen in Hannover, Marburg, Ziegenhain blieben nicht
minder erfolglos.
Diese westfälisch-hessische Insurrektion hatte aber wiederum
ihre Verzweigungen noch bis über die Elbe hinaus, bis Berlin
getrieben. Von hier aus sollte der Oberst von Schill, ein tapferer
Verteidiger Kolbergs, dann Kommandeur eines Husarenregi⸗
ments, einer der beliebtesten, ja schwärmerisch verehrten Offiziere
der preußischen Armee, in sie eingreifen. Jetzt, nach dem Fehl⸗
schlage der Erhebung im Königreich Westfalen, sah Schill sich
bloßgestellt, und so beschloß er, rasch zu handeln, ehe man ihm
den Prozeß machte. Am 28. April 1809 rückte er in Berlin
mit seinem Regimente vor das Hallesche Tor, angeblich zum
Exerzieren, hielt eine feurige Ansprache an seine Truppe, und
erreichte es, daß sie ihm alsbald, ohne Gepäck, ohne Proviant,
ja ohne Munition, zum Kampfe gegen den korsischen Eindring⸗
ling folgte. Später ist sein Freikorps dann noch durch eine
Fußtruppe verstärkt worden, Leute, welche die Leutnants von
Quistorp und von Ledebur mehr zusammengebracht als organi⸗
siert hatten.
Es war ein mehr als tollkühnes Unternehmen, das Schill
nun begann.
So ziehet der tapfre, mutige Schill,
Der mit den Franzosen sich schlagen will;
Ihn sendet kein Kaiser, kein König aus,
Ihn fendet die Freiheit, das Vaterland aus.
(E. M. Arndt.)
Schill, der seine Truppe durch Plünderung westfälischer Re⸗
gierungskassen mit den nötigen Mitteln ausstattete und unter⸗
hielt, zog von Potsdam nach Wittenberg: in der Erwartung,
jetzt werde Preußen, durch seine Erhebung veranlaßt, nicht
anders als mit sterreich zusammen Krieg führen können: