368 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
schieden war, verbürgte ihnen erst die ungeheure, sich mit der
Idealisierung des Geschehenen in Gerücht, Dichtung, ja Sage
steigernde Wirkung. Und die Zeit kam, in dem furcht- und
hoffnungsschwangeren Lenze des Jahres 1813, da alle Knospen
blutig sprangen, daß die Toten wieder lebendig wurden. Denn
nun erscholl es von Ort zu Ort:
Gedenket eurer hohen Ahnen!
An Schill und Hofer laßt euch mahnen
Und folget ihrer Heldenbahn!
(Fr. Chr. Förster.)
Natürlich ist es daher, daß ein letzter großer Insurrektions⸗
zug, der gelang, den Geist der Nation bei weitem nicht gleich
stark und andauernd beschäftigt hat, obwohl er vielleicht der
kühnste von allen war. Es war der Zug des Herzogs Friedrich
Wilhelm von Braunschweig und seiner schwarzen Schar, nach
welcher das braunschweigische Kontingent noch bis gegen Schluß
des 19. Jahrhunderts schwarze Uniformen getragen hat.
Friedrich Wilhelm war ein Sohn jenes Herzogs von
Braunschweig, der die Preußen bei Jena und Auerstädt be⸗
fehligt hatte und bald darauf an einer bei Auerstädt erhaltenen
Wunde gestorben war. Seiner Erblande durch Napoleon be⸗
raubt, auf das von Preußen lehnbare schlesische Fürstentum Ols
beschränkt, dennoch als souveräner deutscher Fürst empfindend,
alten Welfenstolzes voll, vermochte er die ihm aufgezwungene
Ruhe nicht zu ertragen. Als Hsterreich losbrechen wollte,
schloß er mit dem Wiener Hofe als Reichsfürst einen förm⸗
lichen Vertrag, wonach er mit einer selbständigen Armee von
2000 Mann zur Seite der Kaiserlichen gegen Frankreich kämpfen
wollte. Sollte er nun, nachdem man in Osterreich zu zagen
begonnen hatte, seinem Worte untreu werden? Sollte er sich,
wie er es wohl gekonnt hätte, als österreichischer Befehlshaber
in den Waffenstillstand von Znaim einbeschließen lassen? Nach
Sachsen vorgedrungen, auf österreichischem Boden als selb⸗
ständiger Kriegsherr nicht mehr denkbar, suchte er verwegen
die einzige Rettung, die ihm blieb, die Flucht auf englische
Schiffe. Er drang gegen den Harz vor, nahm Halberstadt,