Die Freiheitskriege: 1809, 1815.
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weilte, mit herzbrechendem Jubel empfangen, flüchtige Augen⸗
blicke in seinen angestammten Landen, täuschte westfälische
Truppen, indem er zur Weser und die Weser hinab drang,
— 1500 Mann, Fuß⸗
soldaten, Reitern, Artilleristen, noch rechtzeitig auf englische
Schiffe.
Sicherlich hat die Tat der tapferen Anderthalbtausend,
die nun im fernen Helgoland der' Ruhe pflogen, wenn nicht
tragisch erschüttert, so doch den Mut der Nation erhoben.
Und mußte sie nicht auch dem Feinde, und noch wie viel mehr
den deutschen Fürsten zu denken geben? War das etwa der
vielgerühmte Friede des Königreichs Westfalen und des franzö⸗
sischen Kaisertums selbst, dessen Grenzen die Nordseegestade
umgürteten, daß rebellische Scharen sie unter der Begeisterung
der Einwohner ungestraft zu durchqueren vermochten? Und
schien eine Nation, die solche Helden zeugte, nicht jeder Freiheit
und jeglichen Kampfes um diese Freiheit fähig? Es nahten
die Jahre, da das Volk erwachte. Und leise, von Stufe zu
Stufe, können noch wir Urenkel dieses Erwachen an der
zartesten aller Blüten verfolgen, die diese Zeiten erzeugten, an
der vaterländischen Dichtung.
Gewiß: auch die Prosa der Jahre 1809 bis 1812 wird
kampfesmutig, und selbst die Wissenschaft wird national; im
nationalen Zeichen ist 1809 die Universität Berlin gegründet,
ist 1811 die Universität Breslau reformiert worden. Aber
vermochten Prosa und Wissenschaft überhaupt die Töne noch
zu finden, deren das Herz bedurfte?
Auch die Dichtung, die seit 1806 langsam emporsproß,
sprach anfangs noch in ruhigeren Rhythmen . Selbst Erwägungen
war sie bis etwa 1809 noch zugänglich. So dichtet der Nord⸗
deutsche Stägemann noch in diesem Jahre:
Lamprecht, Deutsche
Wem wir angehören?
Unserm eignen Mut.
Wem wir Fehde schwören?
Finer fremden Brut ....
Geschichte. IX.