370 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
Galliens Geschwader
Haben uns erdrückt,
Seit der Pfaffen Hader
Blutig uns zerpflückt,
Seit die Fürstenhäuser,
Von dem Stolz betört,
Wider Reich und Kaiser
Frevelnd sich empört.
Und an diese Zeilen schließt sich eine Aufforderung, die im
Vergleich zu späteren Mahnungen noch etwas beinahe Mattes hat:
Auf, ihr deutschen Brüder!
Werdet fröhlich eins,
Und ihr jagt sie wieder
Jenseit eures Rheins.
Aber selbst da, wo der Schlachtensänger Österreichs im
Jahre 1809, Heinrich Joseph von Collin, den böchsten Flug
nimmt, wie in der Strophe:
„Stolze Fahnen, die euch führen,
Sorgte meine Hand zu zieren;
Wo nur Feindeswaffen blinken,
Laßt zum Siege sie euch winken!“
Rief Ludwige!, hieß dann fliegen
Stolz die Fahnen vor den Zügen ..
auch da noch läßt sich etwas mehr Erfühltes als Erlebtes
wittern; und es erstaunt nicht, von Collin selbst die Bemerkung
zu hören: „Es war mir ... nur darum zu tun, die Wehr⸗
männer mit einem lebendigen Gefühl ihres erhabenen Berufes
zu durchdringen. ... Würde nur dieses ihnen vorerst zum
Bedürfnis, so würden sich sodann bei einem ausbrechenden
Kriege wohl kräftigere Lieder finden.“
Gleichwohl war diese Zeit doch schon die des Übergangs
von dem nunmehr voll entwickelten Tone des Klassizismus,
dem die älteren Dichter ihrer geistigen Herkunft nach noch an—
gehörten, zu einer besonderen Haltung: die Marmorruhe ver—
Die Kaiserin Maria Ludovica.