Die Freiheitskriege: 1809, 1813.
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schwindet, der Affekt verstärkt sich, die Satzbildung wird springen⸗
der, und Jangsam entwickeln sich die dichterischen Mittel der
Agitation und der volkstümlichen Sprachgewalt.
Zugleich aber zeigt sich, daß auch die jüngere, romantische
Dichtkunst, wie sie erst die neunziger Jahre des ausgehenden
Jahrhunderts erzeugt hatten, so zurückhaltend gegenüber allem
Populären und so beschränkt auf engere Kreise sie zunächst zu
sein schien, doch der neuen Strömung nicht fern blieb: all—
durchdringend umfaßte aufkeimendes Vaterlandsgefühl bald alle
empfindenden Teile der Nation. So hat sich Friedrich Wil⸗
helm Schlegel schon inmitten des Jahres 1807 merkwürdig
ftarken patriotischen Empfindungen hingegeben:
Der deutsche Stamm ist alt und stark,
Voll Hochgefühl und Glauben.
Die Treue ist der Ehre Mark,
Wankt nicht, wenn Stürme schnauben.
Es schafft ein ernster, tiefer Sinn
Dem Herzen solchen Hochgewinn,
Den uns kein Feind mag rauben.
So spotte jeder der Gefahr,
Die Freiheit ruft uns allen.
So will's das Recht, und es bleibt wahr,
Wie auch die Lose fallen.
Ja, sinken wir der Übermacht,
So woll'n wir doch zur ew'gen Nacht
Glorreich hinüber wallen.
Es ist ein Ton in diesen Zeilen, der um 1807 auch bei
anderen Dichtern wiederkehrt: der Ton vornehmen Trotzes.
In der Form, in der er hier auftritt, darf man ihn wohl
auch noch für literargeschichtlich bedingt erachten: zugrunde
liegt ihm jener Stolz auf alles Deutschtum als den Horst
höchster Kultur, den Schiller um die Wende des Jahrhunderts
entbeckt und gepflegt hatte. Und noch ein anderer Laut wird
—X 0 verklingen: der der inneren
uͤberlegenheit über den Feind auf Grund einer uralten Ge—
schichte, ja auf Grund der Macht des geschichtlich Gewordenen
überhaupt.