Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Freiheitskriege: 1809, 1818. 
378 
es für die Nachwelt, dem Wesen eines großen Hassers gerecht 
zu werden, der Napoleon als einen der Hölle entstiegenen 
Vatermördergeist gezeichnet hat, wie er in den Tempel der 
Natur schleicht und an den Säulen rüttelt, darauf sie ge— 
haut ist. 
Der vollste Sänger der Freiheitskriege war Ernst Moritz 
Arndt (1769 1860). Denn Arndt standen alle Töne des 
vaterläudischen Dichters zu Gebote, der Laut barbarischer 
Verzweiflung in seinem Wehrkatechismus, das hehre Wort un⸗ 
erschütterlichen Gottesvertrauens, wie es die deutsche Jugend sich 
eben in seinem Sinne noch lange bewahrt hat, der schrille 
Ruf zum Streit und das gedämpfte Klaglied um die selig 
Gefallenen. Es war eine Reihe mannigfachster Weisen, die 
gleich dem wechselreichen Brausen der Orgel durch die deutschen 
Lande zog; und der Quell einer nie versagenden Produktion 
hob sie empor aus den Tiefen einer charaktervollen Versön— 
lichkeit. 
Deutsches Herz, verzage nicht, 
Tu, was dein Gewissen spricht, 
Dieser Strahl des Himmelslichts, 
Tue recht und fürchte nichts.. 
Wohl steht dir das grade Wort, 
Wohl der Speer, der grade bohrt, 
Wohl das Schwert, das offen ficht 
Und von vorn die Brust durchsticht. 
Arndt war das Kind eines Rügener Freigelassenen, ein 
Sohn mehr der felsstürzenden Kreidegestade als des linden Meeres 
seiner Heimat; als Deutscher auf schwedischem Boden geboren, 
ausgestattet mit jenem hart haltenden Nationalgefühl, das An⸗ 
gehörigen abgerissener Volksteile so oft zu eigen ist, dazu 
Protestant im festen Vertrauen auf einen Gott, den er nur 
als den Herrn deutscher Heerscharen kannte und in sich an⸗ 
betend erlebt hat. So gebildet, ein fanatischer Idealist mit einem 
nur auf das eine Ziel nationaler Befreiung gerichteten Sinne 
trat er hervor, riß er fort, ist er, nach den äußeren Freiheits⸗ 
kriegen der inneren Befreiung seines Volkes lebend, verharrt 
bis auf sein spätes Ende.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.