Die Freiheitskriege: 1809, 1818.
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es für die Nachwelt, dem Wesen eines großen Hassers gerecht
zu werden, der Napoleon als einen der Hölle entstiegenen
Vatermördergeist gezeichnet hat, wie er in den Tempel der
Natur schleicht und an den Säulen rüttelt, darauf sie ge—
haut ist.
Der vollste Sänger der Freiheitskriege war Ernst Moritz
Arndt (1769 1860). Denn Arndt standen alle Töne des
vaterläudischen Dichters zu Gebote, der Laut barbarischer
Verzweiflung in seinem Wehrkatechismus, das hehre Wort un⸗
erschütterlichen Gottesvertrauens, wie es die deutsche Jugend sich
eben in seinem Sinne noch lange bewahrt hat, der schrille
Ruf zum Streit und das gedämpfte Klaglied um die selig
Gefallenen. Es war eine Reihe mannigfachster Weisen, die
gleich dem wechselreichen Brausen der Orgel durch die deutschen
Lande zog; und der Quell einer nie versagenden Produktion
hob sie empor aus den Tiefen einer charaktervollen Versön—
lichkeit.
Deutsches Herz, verzage nicht,
Tu, was dein Gewissen spricht,
Dieser Strahl des Himmelslichts,
Tue recht und fürchte nichts..
Wohl steht dir das grade Wort,
Wohl der Speer, der grade bohrt,
Wohl das Schwert, das offen ficht
Und von vorn die Brust durchsticht.
Arndt war das Kind eines Rügener Freigelassenen, ein
Sohn mehr der felsstürzenden Kreidegestade als des linden Meeres
seiner Heimat; als Deutscher auf schwedischem Boden geboren,
ausgestattet mit jenem hart haltenden Nationalgefühl, das An⸗
gehörigen abgerissener Volksteile so oft zu eigen ist, dazu
Protestant im festen Vertrauen auf einen Gott, den er nur
als den Herrn deutscher Heerscharen kannte und in sich an⸗
betend erlebt hat. So gebildet, ein fanatischer Idealist mit einem
nur auf das eine Ziel nationaler Befreiung gerichteten Sinne
trat er hervor, riß er fort, ist er, nach den äußeren Freiheits⸗
kriegen der inneren Befreiung seines Volkes lebend, verharrt
bis auf sein spätes Ende.