Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Freiheitskriege: 1809, 1813. 377 
Es war natürlich, daß nach der Niederlage Osterreichs 
alle deutschen Patrioten auf Preußen sahen. War es nicht 
doch schließlich das Preußen Friedrichs des Großen? Das 
Preußen von Roßbach? Und zeigte es nicht Spuren innerer 
geistiger Reinigung, so daß ihm alle hoffnungsfreudigen Männer 
Deutfschlands zuwanderten? Selbst Napoleon hatte das dumpfe 
Gefühl, daß ihm von diesem Staate der Untergang drohen 
fönne. 
Da der König schwach war, sich in den verwickelten Ver— 
hältnissen nicht zurechtfand und infolge einer Überanstrengung 
seiner geringen Willenskraft schließlich fast der Apathie verfiel, so 
trat in Preußen an Stelle eines festen Willens am entscheidenden 
Ort ein wechselvoller Kampf vorwärts drängender und zurück⸗ 
stauender Strömungen, dessen Verlauf durch den Umstand noch 
unberechenbarer wurde, daß in entscheidenden Augenblicken 
denn doch wieder bisweilen der König selbstherrisch eingriff. 
Für die Aktionspartei, der vor allem auch die tüchtigen 
Militäͤrs angehörten, stand es fest, daß man bald losschlagen 
müsse, und Losschlagen hieß für sie Entfesseln des Volks⸗ 
geists. So zog Scharnhorst seine Krümper ein, so viel er 
vermochte, und da man nach dem Verlaufe, den der Zug 
des Herzogs von Braunschweig genommen hatte, nicht abgeneigt 
war, auf die Hilfe englischer Schiffe zu hoffen, so kon⸗ 
zentrierte er seine Truppen in Pommern und verstärkte die 
Festungen Kolberg, Pillau und Graudenz. Ja selbst dafür wurde 
schon Vorkehr getroffen, daß der König, falls er in Berlin 
oen Napoleon plötzlich bedroht würde, in der Lage sein sollte, 
lich sein wird, ehe man nicht eine wirklich wissenschaftliche Biographie des 
Königs, die namentlich auch seinen Charakter eindeutig aufklären muß, 
besitzen wird; und dann, daß die aufgeworfenen Fragen über die Haltung 
des Königs, auch wenn richtig beantwortet, weit davon entfernt sind, die 
wesentlichsten Punkte in der Geschichte der Freiheitskriege aufzuhellen. über 
all dem diplomatisch-politischen Gezänk hat man ganz vergeffen, daß die 
Freiheitskriege, insbesondere der von 1818, Volkskriege waren, und daß 
daher die Erforschung und Darstellung dieses besonderen Charakters die 
Wissenschaft an erster Stelle zu beschäftigen hat.
	        
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