Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Freiheitskriege: 1809, 1818. 
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stellung der Rüstungen forderte, da gab er nach: und ein 
französischer Kommissar bereiste die preußischen Provinzen, um 
sich von der Zerstörung des Werkes Gneisenaus zu überzeugen. 
Das Land selbst aber und der König schienen Napoleon nun⸗ 
mehr reif für einen Bündnisvertrag, wie er ihn sich dachte. 
Da sollte Preußen aller Selbständigkeit entkleidet werden, 
nichts blieb fast von den Bedingungen übrig, die er selbst vor 
funf Monaten in Paris präsentiert hatte: keine Beschränkung 
des casus belli auf nur solche Kriege, die im Interesse Preußens 
lagen; keine selbständigere Stellung seines Napoleon im Kriegs⸗ 
falle zu gewährenden Hilfskorps; keine Vermehrung seines 
Heeres; keine Ermäßigung seiner Kontribution usw.: dafür 
Verpflichtung zum erbittertsten Kampfe gegen England durch 
verschärfte Anwendung des Kontinentalsystems, Ausrüstung 
zweier Linienschiffe und einer Fregatte und Aussendung von 
Kapern. 
Es war die Vernichtung Preußens auf dem Wege der 
Vertragsfreundschaft; selbst Hardenberg wollte sie nicht ver— 
antworten. 
Aber was war zu tun? Zurück zu Rußland? Diesen 
Weg empfahl der Staatskanzler. Aber der König war dazu 
nicht zu bewegen. Schließlich siegte der Gedanke, auf dem 
Wege über Osterreich und mit diesem zugleich auch Rußland 
zu gewinnen. 
Und so machte sich, gegen Ende des Jahres 1811, Scharn⸗ 
horst nach Österreich auf. Aber hier wartete seiner ein 
schlechter Empfang. Dem Aufschwunge des Jahres 1809 
war das Regiment Metternichs gefolgt und mit ihm eine 
Annäherung an Frankreich; und im März 1811 hat eine 
Tochter Kaiser Franzens dem Kaiser Napoleon, der sich von 
seiner ersten Frau getrennt hatte, die Hoffnung des Jahr⸗ 
hunderts, den König von Rom geboren. Was haͤtte eine 
Politik von so glänzenden Ergebnissen mit der Not Preußens 
zu tun? Schon die Person des preußischen Sendlings war 
Metternich ein Greuel. Denn sprach Scharnhorst nicht von 
Volkserhebung und Kräften der Masse? Der Revolutionär
	        
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