Die Freiheitskriege: 1809, 1815. 387
Diesem Manne waren nun seit Ausgang des großen
Kampfes im Jahre 1809 die Geschicke Osterreichs durch den
guten Kaiser Franz weniger anvertraut als überlassen worden.
Natürlich kümmerten ihn, den nach Österreich verpflanzten
Westfalen, die Nöte des deutschen Volkes wenig. Er sah
überhaupt keine Nation als Objekt einer staatsmännischen Be⸗—
tätigung. Er kannte nur sterreich. Und für Ästerreich
glaubte er in diesem Augenblicke am besten gesorgt, wenn es
ihm glücken möchte, mit Napoleon in ein leidliches und Dauer
versprechendes Verhältnis zu gelangen.
In dieser Ansicht traf er sich nun einigermaßen mit den
nächsten Plänen Napoleons. Napoleon erschien es, nach Ver—
suchen, die wohl schon bis ins Jahr 1805 zurückreichen, jetzt
immer dringlicher, Vorsorge für die Begründung einer Dmastie
seines Namens zu treffen; und er hatte sich dafür noch im
Jahre 1809 freie Bahn geschaffen durch Lösung seiner Ehe
mit Josephine Beauharnais. Es war nicht ohne schwere
Kämpfe mit der katholischen Kirche geschehen, deren oberste
Organe sich bei dieser Gelegenheit, und noch mehr später bei
der Wiederverheiratung des Kaisers, als die bei weitem wider—
standsfähigsten aller Mächte erwiesen, die dem Emporkömmling
noch entgegentraten. Aber was besagte das weiter? Anfang
1810 fühlte sich der Kaiser frei; und nachdem noch einmal
wieder von seiner Vermählung nach Rußland hin, diesmal mit
einer blutjungen Großfürstin, die Rede gewesen war, warf er
seine Netze gegenüber dem Hause Habsburg aus. Die in
dieser Hinsicht gepflogenen Verhandlungen sind auch heute noch
nicht in jeder Einzelheit klar erkennbar; der Verlauf ihrer
Windungen ist am Ende auch gleichgültig; genug: am 7. Fe—
bruar 1810 unterzeichnete der österreichische Botschafter Fürst
Schwarzenberg für seinen Souverän in Paris das Ehe—
verlöbnis, das die älteste Tochter Kaiser Franzens aus seiner
Ehe mit Maria Theresia von Neapel, Maria Louise, dem
Kaiser der Franzosen überantwortete; und am 11. März fand
in Wien die Vermählung durch Prokuration statt: wobei Erz—
herzog Karl, der Sieger von Aspern und Besiegte von
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