Die Freiheitskriege: 1809, 1815. 389
In Spanien hatte die Entwicklung des Jahres 1809, in
ihrem Verlaufe noch von Napoleon selbst in den letzten Zeiten
des Vorjahrs glücklich eingeleitet!, mit einem nicht übeln Abschluß
geendet; das Land war wieder im Besitz König Josephs; die
Zentraljunta der nationalen Verteidigung sah sich auf Cadix be—
schränkt. Allein diese scheinbar großen Ergebnisse erwiesen sich
schon im Jahre 1810 vor der inneren Lebenskraft der Nation
als eitel. Es gelang den Patrioten trotz allen Widerstandes,
eine legale Nationalversammlung in Isla de Leon bei Cadirx
zu eröffnen: und diese gab dem Lande eine freie Verfassung
nach den Grundsätzen der allgemeinen Menschenrechte und den
Prinzipien des Jahres 1789. Es war ein Ereignis, das wohl
in Deutschland zündend hätte wirken können und unter dem
Einflusse etwa des heutigen Verkehrs⸗ und Nachrichtendienstes
wohl auch so gewirkt haben würde: welch ein Vorteil, alsbald
Haus und Dach einer neuen politischen Einheit der Nation
zustande zu bringen! Und wenn nun auch die spanische Ver⸗
fassung des Jahres 1811, das Palladium der Nation in so
manchen späteren Jahren der Verwirrung, zugleich die Gefahr
der Entwicklung eines rücksichtslosen Parteiwesens in sich trug,
so war ihre erste nachhaltige Wirkung doch zweifellos die der
Entfesselung neuer Kräfte volkstümlichen Widerstandes gegen
die Fremden.
Dabei war es bezeichnend, daß Napoleon die Explosion
der neuen Kräfte, die sich hier vorbereitete, kaum erkannte, wie
er sie nachmals in Deutschland, selbst in ihren unmittelbaren
Wirkungen auf seine Armeen, nicht verstanden hat: die auch in
irdischen Dingen schon waltende Gerechtigkeit begann sich an ihm
zu erfüllen: quöem Deus perdere vult, dementat. Einstweilen
aber sah der Cäsar bei seiner Art der Betrachtung Arbeit und
Gefahr viel mehr im äußersten Nordosten, in Rußland.
Dauernde Verstimmungen Napoleons gegen Rußland
mögen sich schon unmittelbar nach den Tagen von Erfurt ein⸗
gestellt haben; der Kaiser mag den Charakter des Zaren zur
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