Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Freiheitskriege: 1809, 18183. 
zoß 
von Ernst Moritz Arndt, dem Begleiter und deutschen Sekretär 
Steins in dieser Zeit, über den zugleich anmutigen und ge— 
winnenden Eindruck berichten lassen, den dieser Recke in der 
slawischen Welt, insbesondere in der Petersburger Gesellschaft, 
und aus dieser wieder rückwirkend. beim Zaren hervorrief: 
„Sein Mut, seine Kühnheit, noch mehr sein Witz und seine 
Liebenswürdigkeit drangen allenthalben durch und ein und 
leuchteten und zündeten wie Blitzstrahl, wo irgend noch etwas 
zu zünden war. Die sittliche Schönheit und Klarheit seines 
Wesens, durch und durch mit Mut durchgossen, und die 
Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit, womit er in den kürzesten, 
unscheinbarsten Worten an den Tafeln und Teetischen zu 
spielen wußte, wo er sich auch gern und unbewußt selbst im 
leichteren Kosen und Scherzen hingehen ließ, machten ihn bald 
zu einem mächtigen Mann in der Petersburger Gesellschaft; 
sein tapferer Wille, seine Einfälle, seine Worte wurden zu 
Anekdoten ausgeprägt, die wie Blitzfeuer rundliefen. Bald 
hatte er einen sehr bedeutenden Anhang, der um so treuer 
war, da alle wußten, daß er nur als Pilger gekommen sei, der 
mit dem Siege wieder gegen Westen walle, daß er also keinem 
in den Weg treten werde. Er stand endlich in Petersburg 
wie das gute Gewissen der Gerechtigkeit und Ehre, und die 
Orloffe, Soltykowe, Ouwarowe, Kotschubey, Lieven und das 
zum Begeistern und Fortschnellen so allmächtige Heer der 
schönen und geistreichen Frauen pflanzten sein Banner auf.“ 
Es war etwa zur selben Zeit, da Napoleon, nun schon 
in Dresden, vor dem neuen Alexanderzuge gen Osten noch 
einmal, in einer verschlechterten Auflage der Tage von Erfurt, 
Musterung über die kleinen deutschen Fürsten hielt; aber auch 
der König von Preußen und der Kaiser von Osterreich, der 
Schwiegervater, waren gehalten worden, sich hier zu präsen— 
tieren. „Napoleon wandte eine Methode an, um seine Ober— 
herrlichkeit über all die versammelten Herrscher zu zeigen, die 
an die poetische Stelle der Bibel vom Nahen Gottes im 
Säuseln des Windhauches erinnert. Wenn im Schlosse der 
alten Reichserbmarschalle, über dessen Portalen die Kurschwerter
	        
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