400 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
Du sollst den Stahl in Feindesherzen tauchen;
Frisch auf, mein Volk! — Die Flammenzeichen rauchen,
Die Saat ist reif; ihr Schnitter, zaudert nicht!
Das höchste Heil, das letzte, liegt im Schwerte!
Drück' dir den Speer ins treue Herz hinein:
Der Freiheit eine Gasse! — Wasch' die Erde,
Dein deutsches Land, mit deinem Blute rein!
IV.
In Rußland ergab sich die allgemeine Stimmung unter und
nach dem Abmarsch der Großen Armee als alles andere denn
kriegerisch. Selbst die Generäle und ihr Oberanführer Kutusow
fanden, es sei nun genug des Blutvergießens; der heilige
Boden Rußlands sei befreit, der schwedische Bundesgenosse
durch Gewährung freier Hand gegen Norwegen befriedigt; sei
noch etwas zu wünschen, so wäre es eine Vergrößerung des
Vaterlandes durch Ostpreußen bis zur Weichsel und eine
Regelung der polnischen Frage in dem Sinne, daß das
Bruderland an sich frei, aber etwa in Personalunion oder
durch eine Sekundogenitur der Romanows an Rußland ge—
bunden werde: alles was darüber sei, sei vom Übel.
War dies die Durchschnittsmeinung etwa in Rußland, so
wäre es vermessen gewesen, von Österreich mehr Tatkraft für
gemeinsame Ziele zu erwarten. Nicht daß Metternich willenlos
gewesen wäre; im Gegenteil: aber er lebte nur den besonderen
Interessen Osterreichs. Und diese sah er nicht etwa durch ein
gemeinsames Vorgehen der östlichen Mächte gegen Napoleon am
besten gewahrt: so weit trug sein Blick nicht: sondern sie
schienen ihn vielmehr jetzt ganz besonders auf ein schon längst
von ihm ins Auge gefaßtes Ziel hinzuweisen: auf ein für
Osterreich vorteilhaftes, unter Umständen mit bewaffneter Hand
durchzuführendes Vermittlungsgeschäft unter den Mächten.
Und so rüstete Osterreich zwar, ja hatte sich schon während
des Feldzuges in Rußland auf Rüstungen eingerichtet, aber
nicht zugunsten der deutschen Freiheit. Denn welche Stellung
konnte bei Metternichs Vermittlungsabsichten dem geographischen