Die Freiheitskriege: 1809, 1818.
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Am Weihnachtstage des Jahres 1812 war das gelungen.
Was konnte und sollte da nun das Schicksal der preußischen
Truppen sein? Am 27. Dezember schrieb Yorck dem Könige:
— —
ich glaube nicht, daß ich wieder zu ihm stoßen kann, und werde
ich, im Falle ich auf ein russisches Korps stoße, bemüht sein,
alles so zu leiten, daß ich Ew. Majestät Truppen konserviere,
die Ehre der Waffen nicht kompromittiert wird und Ew. Königl.
Majestät nach einem kurzen Zeitraum eine freie Disposition
über das mir anvertraute Korps haben werden .... Handle
—V ohne Murren zu
Ew. Majestät Füßen legen; und der Gedanke, mir vielleicht
die Unzufriedenheit Ew. Majestät zuzuziehen, macht mich sehr
unglücklich; über alles übrige bin ich einig mit mir selbst.“
Das war es: NYorck wußte nach gewiß hartem Seelen⸗
kampfe, was er wollte; spätestens am 27. Dezember war der
Abfall der preußischen Truppen von Napoleon innerlich schon
vollzogen.
Die äußere Entscheidung kam rasch nach. Nachdem NYorck
festgestellt hatte, daß die Brigade Massenbach, die noch mit
Maͤcdonalds Truppen Fühlung hatte, auf seine Seite treten
werde, versicherte er sich seiner Offiziere: „Wer so denkt, wie
ich, sein Leben für das Vaterland und die Freiheit hinzugeben,
der schließe sich mir an; wer dies nicht will, bleibe zurück.
Der Ausgang unserer heiligen Sache mag sein, wie er will;
ich werde auch den stets achten und ehren, der zurückbleibt.
Geht unser Vorhaben gut, so wird der König mir meinen
Schritt vielleicht vergeben; geht es mißlich, so ist mein Kopf
verloren. In diesem Falle bitte ich meine Freunde, sich meiner
Frau und Kinder anzunehmen.“ Lauter Jubel folgte diesen
Worten des als streng bekannten Feldherrn und bestätigte
ihren Inhalt; keiner blieb zurück.
Am 30. Dezember schloß Yorck zu Tauroggen die Kon⸗
vention mit den Russen ab. Das preußische Korps wird nach
ihr als selbständiges, Heer in einem neutralen Landstriche
Fwischen Memel, Tilsit und dem Haff Stellung nehmen. Ver—