106 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Rapitel.
wirft der Zar oder der König von Preußen die Konvention,
so wird das Korps von den Russen unbehelligt dahin ziehen,
wohin es der König von Preußen befiehlt; doch wird es vor
dem 1. März 1813 nicht gegen russische Truppen fechten.
Friedrich Wilhelm war außer sich, als er in Berlin am
4. Januar die Nachricht von dem Geschehenen erhielt. Er sah
sich nicht nur aus dem Schwebezustand seiner stets wechselnden
Dispositionen gerissen und damit in dem verletzt, was im
tiefsten das Wesen seiner Persönlichkeit ausmachte; die Gerechtig—
keit gebietet hinzuzufügen, daß er sich auch als König beleidigt
fühlte. Und so nahm er Yorck das Kommando des Korps und
übertrug es dem General von Kleist; verfügte die Verhaftung
Yorcks, der vor ein Kriegsgericht zu stellen sei; schritt gegen
Massenbach ein: und stellte die Truppen „zur alleinigen Dis—
position Seiner Majestät des Kaisers Napoleon oder Seines
Stellvertreters“.
Aber beim Empfange der Ordres des Königs im Heere
zeigte sich, daß Kleist sich weigerte, das Kommando zu über—
nehmen! Und NYorck hätte im ganzen Korps niemand gefunden,
der es übernommen hätte! .Es blieb nichts übrig, als daß er,
der Hochverräter in des Könias Augen, das Kommando weiter
führte.
Inzwischen aber hatten sich die Dinge um NYorck schon
gewaltig und sehr zu gunsten seiner Sache verändert. Mac—
donald hatte eingesehen, daß er sich nach Yorcks Abfall nicht
mehr in Tilsit werde halten können; er war bis Danzig
zurückgewichen. Offen lag damit die Provinz Preußen vor
Yorck da, zu deren Gouverneur ihn die Gnade des Königs
noch kurz vor der Konvention von Tauroggen ernannt hatte.
Und PYorck sah sich nach der Konvention in dieser Würde auch
von dem General von Bülow, der eine geringe Truppenzahl
in Preußen befehligte, anerkannt.
Sollte er unter diesen Umständen aus der neutralen Zone
abmarschieren, sollte er sich, dem Sinne der Befehle seines
Königs entsprechend, den Franzosen wieder unterstellen? Er