Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

t10 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Rapitel. 
erobernden Länder wird in einem zu begründenden „Zentral⸗ 
verwaltungsrate“, in dem Stein später vor allem tätig gewesen 
ist, eine Behörde vorgesehen, welche die Rechte und Interessen 
der Verbündeten zu wahren haben wird. Für die Wirksamkeit 
dieser Behörde aber, insbesondere auch für deren Unterverwal⸗ 
tungen, wird das nördliche Deutschland in fünf große Ab—⸗ 
schnitte zerlegt: nämlich das Königreich Sachsen mit den 
thüringischen Herzogtumern, das Königreich Westfalen mit 
Ausnahme Hannovers und der alten preußischen Besitzungen, 
die Herzogtümer Berg Westfalen und Nassau, das Departement 
der Lippe, und die Departements der Elbmündungen und 
Mecklenburg. 
So schien denn für die nächsten Bedürfnisse des Angriffs und 
Kampfes alles wohlgeordnet. Darüber hinaus aber wurden über 
das Schicksal Gesamtdeutschlands in einem Aufrufe des russischen 
Oberbefehlshabers Kutusow an die Deutschen immerhin einige 
Erklärungen abgegeben. Der Rheinbund könne als Wirkung 
fremden Zwanges und Werkzeug fremden Einflusses nicht 
fürder geduldet werden. Das Schicksal der einzelnen deutschen 
Fürsten werde abhängig sein von ihrer Stellung zur deutschen 
Sache; wer dieser abtrünnig sein und bleiben wolle, der zeige 
sich damit reif der verdienten Vernichtung durch die Kraft der 
öffentlichen Meinung und die Macht gerechter Waffen. Der 
Zar aber, der den fremden Einfluß in Deutschland vernichtet 
zu sehen wünsche, werde zum wiedergeborenen Deutschland und 
zur Frage der Entwicklung seiner Verfassung keine andere 
Stellung einnehmen, als daß er seine schützende Hand über ein 
Werk halte, „dessen Gestaltung ganz allein den Fürsten und 
Völkern Deutschlands anheimgestellt bleiben soll“. 
Man sieht: aus diesen Kundgebungen spricht, wenn auch 
schon mit leiser Abschwächung, die Stimme Steins. 
Aber wie ganz anders noch hatte sich inzwischen, freilich 
eben von Stein vor allem der Stummheit entbunden, die 
Stimme des Volkes selbst erhoben. 
Die politische Dichtung der Zeit, immer schon ernst und 
fromm, nimmt jetzt, zu mächtigen Chören anschwellend, einen Zug
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.