Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Freiheitskriege: 1809, 1815. 
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Aber neben dem Bauer stand der Bürger. Das Bürger— 
tum hat die echtesten Sänger der Freiheitskriege gestellt; un— 
kriegerisch bisher, drängte es sich fast mehr als andere 
Schichten freiwillig zu militärischer Tat an verantwortlicher 
Stelle: das Jahr 1818 ward zur Heldenzeit, zur heroischen 
Urzeit gleichsam seiner modernen Entwicklung. Und wie sollte 
der Adel gefehlt haben? Bei ihm mischten sich politische und 
soziale Erwägungen mit Begeisterung und alter Gewohnheit 
militärischer Fuhrung: dennoch überwog die Begeisterung, und 
hon Nebenabsichten rein zogen die Söhne der alten Geschlechter 
zur Walstatt. 
Die Bewegung aber, die anfangs von Preußen ausging, 
wirkte bald, wie durch Ansteckung, nach Westen und Süden hin 
selbständig weiter; ohne äußere Anregung traten vor allem 
auch Schlesien und Brandenburg noch vor dem Umschwung der 
preußischen Politik auf die Seite des Vaterlands. Und das 
Blut war es an erster Stelle, was die Massen dem Vaterlande 
darboten. Man drängte sich zur Aufnahme in die Rollen 
neuer, kaum schon begründeter Truppenteile; wo dies nicht 
möglich war, bildete man Freikorps; und beherzte Männer 
gingen hier und da in kleinen Trupps weit mehr auf die 
Franzosenjagd, als die allgemeine Überlieferung meldet — noch 
aber währt die Kunde dieser Vorgänge in mündlicher Über⸗ 
lieferung fort. Es war die bedenkliche Seite all des schönen 
Aufschwungs, an sich von geringer Bedeutung, dennoch aber 
vorhanden, wie leise Spuren anarchischer Freiheitsbegriffe und 
revolutionärer Willkür. 
Was aber alle erzog, zusammenband und zusammenhielt, 
das war der Gedanke des Vaterlands. Ihm Opfer jeder Art 
zu bringen war jedermann bereit; und Fluch und gesell— 
schaftlicher Bann erwartete die, die sich ausschlossen. Es 
war wenig Geld mehr im Lande; man mußte sich mit 
schlechten Bankbillets behelfen, denen nur der Kredit eines 
ruinierten Staates zugrunde lag. Da brachten Männer und 
Frauen Edelmetall, altes Haussilber, Schmuckgegenstände, Ge— 
pand und wohl gar den persönlichsten Schmuck, den des
	        
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