—416 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Rapitel.
Haars zum Opfer: nichts, was nicht in den Dienst der großen
Sache gestellt wurde. Es war wie eine Auswanderung gleichsam
aus alten Gefühlen und deren wirtschaftlichem und künstle⸗
rischem Gehäuse: aus allem, was Menschen lieb und teuer ist;
nicht wenige haben sogar ihr Land, den Heimatsboden ihres
Geschlechtes verkauft, um dem Vaterlande zu dienen.
Und es waren ernste Stunden. Kein oberflächlicher Elan.
Keine eitle Siegeszuversicht. Man wußte es, ohne es auszu⸗
sprechen: es ging um Weib und Kind, um letzte, heiligste Güter.
So trat man in stiller Gefaßtheit unter die Waffen. Keine glän⸗
zenden Uniformen, die schon die Armut ausschloß. Einfaches
Grau, Schwarz, oft nur ein Abzeichen, ein Band, eine Mütze.
Und Waffen jeder Art: Flinten, Musketen, Säbel — beim
Landmann Waffen letzter Not, der rostige Spieß, den unsere
alten Rechtsbücher preisen, Sense, Beil und Morgenstern.
Was schadete es? Glücklich, der mit dem höchsten aller Ehren⸗
zeichen, dem schlichten Kreuz auf der Brust, heimkehren wird
aus der männlichsten aller Nöte, aus der Arbeit des Kampfes!
Das waren die Mächte, die endlich auch das Herz des
Königs stählten. Aus Breslau berichtet um diese Zeit der
österreichische Gesandte in metternichscher Sprache nach Wien:
„Die Geister sind in einer Gärung, die schwer zu beschreiben
ist. General Scharnhorst übt unbegrenzten Einfluß. Die
Militärs und die Häupter der Sekten haben sich unter der
Maske des Patriotismus der Zügel der Regierung vollständig
bemächtigt.“
Am 4. Februar hatte Scharnhorst den Plan für das
nächste Vorgehen der preußisch-⸗russischen Armee vorgelegt; am
d. Februar wurde jede Befreiung von der allgemeinen Wehr⸗
pflicht für die Dauer des kommenden Krieges aufgehoben.
Am 12. Februar befahl der König die Mobilmachung für
Schlesien und Pommern; Preußen hatte, wir wissen, schon
von sich aus gerüstet. Bald folgte dann der Aufruf zum frei⸗
willigen Kriegsdienst. Und endlich am 10. März, dem Geburts⸗
tage der Königin Luise, aus deren Tränen diese Saaten herrlich
sproßten, wurde das Eiserne Kreuz gestiftet, und am 17. März