Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Freiheitskriege: 1809, 1818. 417 
erschienen sie, die längst erwarteten, die Aufrufe „An mein 
Volk“ und „An mein Kriegsheer“. Sie riefen zu den Waffen, 
sie riefen zu Opfern, was Waffen tragen und opfern konnte. 
„Es ist der letzte, entscheidende Kampf, den wir bestehen für 
unsere Existenz, unsere Unabhängigkeit, unseren Wohlstand. 
Keinen anderen Ausweg gibt es, als einen ehrenvollen Frieden 
oder einen ruhmvollen Untergang. Auch diesem würdet ihr 
getrost entgegengehen, um der Ehre willen, weil ehrlos der 
Preuße und der Deutsche nicht zu leben vermag. Allein wir 
dürfen mit Zuversicht vertrauen. Gott und unser fester Wille 
werden unserer Sache den Sieg verleihen, mit ihm einen 
sicheren, glorreichen Frieden und die Wiederkehr einer glück— 
ichen Zeit!“ 
In diesen Tagen war aber schon alles in größter und 
großenteils auch geordneter Bewegung. Und aller Gedanken 
galten dem Heer. Da war die alte Linie in dem von Napo— 
leon noch geduldeten Restbestand. Sie sollte auf den drei— 
fachen Stand der Schlußwochen des Jahres 1812 gebracht 
werden. Aber das genügte weder den Anforderungen des 
Krieges noch dem Bedürfnisse des Volkes, sich zu betätigen. 
Die bezeichnendsten militärischen Neubildungen, die jetzt 
neben der Linie vollendet wurden, waren die Freikorps und 
die freiwilligen Jäger. Die Freikorps waren schon längst in 
Bildung; sie entsprachen in ihrer Entstehung den Freikorps 
früherer Jahre; in ihnen strömte zusammen, was von junger 
und alter Mannschaft am kriegsungeduldigsten war und sich 
selbst bewaffnen konnte; später, als die Mannschaften des 
preußischen Bodens im preußischen Heeresrahmen genügende 
Unterkunft fanden, setzten sie sich vornehmlich aus Nichtpreußen 
zusammen. Sie waren zum Teil ziemlich stark; in Westfalen 
hat Hauptmann von Reiche ein Jägerbataillon, Oberstleutnant 
von Reuß gar vier Bataillone gesammelt. Das berühmteste 
bon allen aber war das der Luützowschen Jäger, drei Bataillone, 
fünf Schwadronen, zwei Halbbatterien; in ihm ist Theodor 
Körner gefallen. 
Lamprecht, Deutsche Geschichte. IX.
	        
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