420 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
hatte der Vizekönig Eugen, der Oberkommandierende an Stelle
Napoleons, die Oderlinie aufgeben müssen; schon vorher, am
20. Februar, hatte der russische Oberst Tettenborn, ein ge—
borener Pfälzer, die Berliner durch einen kühnen Ritt über—
rascht, der ihn mit seinen Kosaken mitten durch die Straßen
der Hauptstadt führte. Es war ein Handstreich, der schließlich
doch mit dazu beigetragen hat, die Franzosen noch weiter
nach Westen zu treiben. Am 4. März räumten sie Berlin; am
9. März war das französische Hauptquartier in Leipzig. Und
auch an der Mündung des Stromes wurde jetzt die Elblinie
verlassen; Mecklenburg wurde von Franzosen frei; St. Cyr zog
sich aus Hamburg zurück.
Inzwischen, Anfang März, hatte Scharnhorst zu Kalisch
mit dem Zaren den gemeinsamen Feldzugsplan der Preußen
und Russen eingehend zu beraten begonnen. Drei Armeen
wurden aufgestellt: eine nördliche unter dem Russen Wittgen⸗
stein, dem auch Yorck, Bülow und Borstell mit ihren preußischen
Truppen unterstellt wurden; eine Südarmee unter Blücher in
Schlesien, wesentlich preußische, doch auch russische Truppen;
endlich im Zentrum eine russische Hauptarmee unter Kutusow,
die sich nur langsam vorwärts bewegte, obwohl über ihr
Zurückbleiben keine besonderen Vorschriften erlassen zu sein
scheinen. Allein auch die übrigen Heere gingen nur tastend
vor; die preußischen Rüstungen waren noch nicht vollendet; es
rächte sich, daß sie von Friedrich Wilhelm in den ersten
Monaten des Jahres absichtlich verzögert worden waren. Doch
traf immerhin Wittgenstein am 11. März in Berlin ein; am 17.
folgte ihm Yorck, enthusiastisch begrußt und bald auch mit dem
Könige wegen der Vorgänge von Tauroggen ausgesöhnt.
Der eigentliche Feldzug begann in den ersten Tagen des
Aprils. Die Nordarmee stieß gegen Magdeburg vor, warf
die Franzosen bei Dannigkow und Möckern zurück und drängte
den Vizekönig, der jetzt an dieser Stelle kommandierte, bis in
die Gegenden zwischen Saale und unterem Harze westwärts.
Darauf nahm die Nordarmee ganz allgemein die Elblinie
zwischen Magdeburg und Wittenberg ein und erhielt dabei mit