Die Freiheitskriege: 1809, 1815. 421
der Armee Blüchers, die von Schlesien über Bautzen gegen
Dresden vorging, Fühlung, während die Franzosen aus Sachsen
abzogen und sich mit dem Vizekönig vereinigten. Und bei
dieser Gelegenheit wurde von ihnen sogar Leipzig aufgegeben;
seit dem 4. April zogen hier unablässig Truppen der Ver—
bündeten ein.
Da schien denn die Gelegenheit, den Vizekönig alsbald
zu schlagen und damit ganz Mitteldeutschland zu befreien,
wahrlich günstig genug. Allein die Hauptarmee war noch nicht
zur Stelle! Kutusow ging langsam, langsam vor; er scheint
tatsächlich verhindert gewesen zu sein, rascher zu avancieren;
verloren wurde die Gelegenheit, eine Schlacht zu schlagen, ehe
Navoleon herankam.
Napoleon hatte inzwischen die kostbaren Monate gründlich
genützt. Am 11. Januar hatte ihm der Senat die Aus—
hebung von 8350 000 Mann bewilligt, darunter freilich schon
150 000 Mann Rekruten des Jahrgangs 1814. Dazu war
nach der Kriegserklärung Preußens am 3. April eine noch⸗
malige Bewilligung von 180 000 Mann gekommen. In Summe
also 530 000 Mann! Davon sind allerdings schwerlich mehr
als zwei Drittel auf, dem Schlachtfeld erschienen; und auch
sie kamen teilweis sehr spät und erst zum Feldzuge des
Herbstes. Aber immerhin verstand Napoleon verhältnismäßig
rasch etwa gegen 100 000 Mann bei Wurzburg zu vereinigen.
Zu ihrer Summe aber kamen dann noch die Armee des
Vizekönigs, etwa 50 000 Mann, sowie die Besatzungen der
zahlreichen Festungen in Preußen, die mit Ausnahme von Pillau
noch sämtlich von den Franzosen gehalten wurden.
Es war ein eindrucksvolles Aufgebot; und die Verbün—
deten hatten ihm einstweilen ein gleich hohes nicht entgegen—
zustellen.
Napoleon aber zögerte nicht, mit seiner Mainarmee, so⸗—
bald sie versammelt war, den Durchmarsch über den Thüringer⸗
wald zu beginnen und die Vereinigung mit dem Vizekönig zu
suchen. Sie gelang; worauf der Kaiser unmittelbar die