Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

122 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
Initiative gegen den Feind ergriff; am Morgen des 2. Mai 
schon zog er über die Ebene von Lützen gegen Leipzig heran, 
um hier die Gegner in ihrem vermuteten Zentrum, wo jetzt 
Wittgenstein an Stelle des verstorbenen Kutusow kommandierte, 
zu packen. Allein bevor er noch Leipzig erreichte, sah er sich 
von Blücher in seiner rechten Flanke angegriffen: und nun 
entspann sich die Schlacht von Großgörschen, die erste des 
Jahrs der Befreiung. Sie endete nicht eigentlich mit einem 
durchschlagenden taktischen Siege Napoleons. Wohl aber 
zeigte sich, daß die Kräfte der Verbündeten im ganzen noch 
zu gering waren, um die vorgeschobene Leipziger Stellung zu 
behaupten; und so erfolgte jetzt ihr Rückzug gegen die Elbe. 
d. Es war ein strategischer Erfolg Napoleons. Aber ent— 
mutigt hatte er die Truppen der Verbündeten nicht. Und wie 
hatten zumal die Preußen bei Großgörschen und sonst ge— 
fochten! Gewiß waren sie nicht alle Helden; und so tief und 
allgemein die Kriegsbegeisterung war, auch in den Reihen der 
Landwehr und der Freiwilligen gab es Müde und Matte. 
Aber der Gesamteindruck war doch erhebend. „Es war wohl 
kein Stand des bürgerlichen Lebens,“ schreibt Boyen von 
Großgörschen, „der nicht an diesem Tage für die Er— 
haltung des Vaterlandes in unseren Kriegerreihen kämpfte; so 
mancher schon zum geistlichen Stande gebildete Jüngling ver⸗ 
—D 
Grundlage für das Fortbestehen einer freien protestantischen 
Kirche, hohe und niedere Verwaltungs- und Gerichtsbeamte 
kämpften für die Erhaltung und den Geist der preußischen 
Verwaltung. Das brandenburgische Dragonerregiment führte 
der Chef desselben, der Prinz Wilhelm, Bruder des Königs, 
mehr als einmal an dem heutigen Tage in das ernste Gewühl 
des persönlichen Kampfes, während auf dem Flügel des Regi— 
ments in der ersten Reiterreihe der Hofmarschall des Prinzen, 
Graf Groeben, als Wachtmeister sich in den Kampf stürzte. 
Gelehrte und Künstler erkämpften sich mit dem Blute jenen hohen 
bürgerlichen Standpunkt, den heilige Vaterlandsliebe in dem 
alten Griechenlande errang.“
	        
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