Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Freiheitskriege: 1809, 1818. 423 
Sehr im Gegensatze zu solchen Nachrichten steht, was von 
den Sachsen zur gleichen Zeit zu melden ist. In den Wochen 
vor Großgörschen hatten die sächsischen Behörden den Ver— 
hündeten die herbe Not passiven Widerstandes gemacht. Jetzt 
ging ihr König zu den Franzosen über, nachdem er vorher eine 
freiere Stellung an der Seite sterreichs einzunehmen versucht 
hatte; Napoleon ließ ihn von Prag nach Dresden zitieren: 
und er gehorchte. 
Die Verbündeten hatten inzwischen bis auf Bautzen zurück⸗ 
gehen müssen, nachdem sie noch bei Kolditz ein nachteiliges Ge— 
fecht erlebt hatten. Aber ihr Mut war nicht gesunken. Im 
Gegenteil, sie empfingen Verstärkungen; ihre Hartnäckigkeit 
wuchs; und sie begriffen wohl, daß es jetzt, wollten sie ster⸗ 
reich als Bundesgenossen gewinnen, vor allem der Festigkeit 
bedürfe. 
Aber Napoleon drängte ihnen entschieden nach. Und am 
20. Mai griff er sie bei Bautzen wiederum mit überwältigen⸗ 
der Übermacht an. So stand für die Verbündeten der Cha— 
rakter der Schlacht als einer Verteidigungsschlacht von vorn— 
herein fest. Aber auch als solche wurde sie verloren. Doch 
zog man sich in guter Ordnung in eine neue Verteidigungs⸗ 
stellung bei Görlitz zurück: die Zersprengung des Feindes, die 
Napoleon beabsichtigt hatte, die auch allein ihm nützen konnte, 
war trotz allem nicht erreicht. 
Dagegen zeigte sich, während auch Napoleon, nach un⸗ 
geheuren Verlusten bei Bautzen, die auf 25000 Mann geschätzt 
wurden, ratlos dastand, bei den Verbündeten bald der Krebs⸗ 
schaden innerer Differenzen. Für die russischen Heeresteile 
frat ein Kommandowechsel ein, nachdem Wittgenstein das Ober⸗ 
ommando niedergelegt hatte, das tatsächlich und namentlich 
während der Schlacht von Bautzen der Zar geführt hatte; 
and der neue Befehlshaber, Barclay de Tolly, erklärte, wohl 
aicht ohne Berechtigung, daß die russischen Truppen einer sehr 
eingehenden Reorganisation, hierzu ruhiger Wochen und dazu 
wviederum weiteren Rückzugs bedürften, während die preußischen 
Truppen von Tag zu Tage sich innerlich festigten und äußerlich
	        
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