Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

424 Dreinndzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
vermehrten: und ihre Generäle danach brannten, von neuem 
gegen den Feind zu gehen. Die Folge dieser zwiespältigen 
Willensrichtung war natürlich schwankende Entscheidung und 
schließliche Untätigkeit: man einigte sich am Ende auf eine ab— 
wartende Flankenstellung bei Schweidnitz, während die Franzosen 
hbis Breslau vordrangen. 
Es war in einem Momente, da auch auf den übrigen, 
minder wichtigen Kriegsschauplätzen, die sich die Elbe hinab 
bis zu deren Mündung erstreckten, die Initiative der Ver— 
bündeten zum Stehen kam, ohne daß doch die Franzosen sich 
völlig durchschlagender Erfolge hätten rühmen können. So in 
der Mark Brandenburg, wo jetzt General von Bülow komman—⸗ 
dierte, nachdem er die Elblinie hatte aufgeben müssen, und sich, 
in der Lausitz, mit Oudinots Korps bald mit schlechterem, 
bald mit besserem Glücke herumschlug. So auch auf dem 
wichtigeren Kriegsschauplatze an der Niederelbe. 
Hier im Norden hatten Tettenborn, Dörnberg und andere 
deutsche und russische Führer mit wenigen regulären Truppen, 
Kosaken und Freikorps, darunter bald auch dem Lützowschen, 
den Vormarsch gegen die Franzosen aufgenommen. Und sehr 
früh schon mit bemerkenswertem Ergebnis. Am 18. März 
hatte Tettenborn Hamburg genommen; dann war er kühn mit 
seinen lockeren Truppenmassen ins Hannoversche, ja bis nach 
Dldenburg vorgedrungen. Es wären vielleicht dauernde Er— 
folge gewesen, wäre man, insbesondere von Hamburg, kräf— 
tiger unterstützt worden. Allein die Bevölkerung der alten 
Hansestadt hatte zwar die Truppen in einem raschen Stroh⸗ 
feuer von Begeisterung empfangen; dann aber hatte sich das 
Schwergewicht einer viele Jahrhunderte hindurch bewahrten, 
Deutschland und deutschen Interessen vielfach abgewandten 
Stellung der Stadt geltend gemacht; kaum 4000 Mann stellten 
sich schließlich zu den vaterländischen Waffen. Und inzwischen 
hatten sich die Franzosen erholt. Vandamme eilte vom Nieder⸗ 
rhein herbei und verbreitete durch Brandschatzungen Furcht 
und Schrecken; ihm folgte Davoust, der mit der Wieder⸗ 
gewinnung der Hansestädte beauftragt war; am 19. Mai
	        
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