Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

430 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
32. franzöfischen Militärdivision (Bremen, Oldenburg). Ver— 
hältnismäßig aber wollte sich Metternich auch noch für folgende 
zwei Punkte erwärmen: für eine Wiederherstellung Preußens 
so viel als möglich in den Zustand vor 1806 und für Auf⸗ 
lösung des Rheinbundes. Sollte aber Napoleon die Haupt— 
punkte der Reichenbacher Abmachungen vor dem 20. Juli nicht 
annehmen, so erklärte sich Osterreich bereit, mit 130 000 Mann 
auf der Seite der Verbündeten die Waffen zu ergreifen. 
Da hatte man nun also ein wenn auch noch teilweise recht 
wenig sicher umschriebenes Programm: und so kam es nur 
darauf an, daß Ästerreich dies Programm oder wenigstens 
dessen wichtigste Teile Napoleon genehm machte und ihn da— 
mit zugleich für die Beschickung des berühmten Vermittlungs⸗ 
kongresses gewönne. 
Metternich hat sich dieser Aufgabe, so bescheiden er sie 
irgend fassen konnte, in einer mehr als neunstündigen Unter⸗ 
redung mit Napoleon zu Dresden selbst unterzogen. Aber was 
bekam er schon auf den bloßen Vorschlag eines Kongresses von 
Napoleon zu hören! „Wollen Sie mich plündern? Wollen 
Sie Italien, Brabant, Lothringen? Ich werde nicht einen 
Zoll Erde abtreten, ich schließe Frieden auf dem sstatus quo 
anté bellum. Ich werde sogar einen Teil des Herzogtums 
Warschau an Rußland geben; euch werde ich nichts geben, 
denn ihr habt mich nicht geschlagen; auch an Preußen gebe 
ich nichts, weil es mich verraten hat. Wenn ihr Westgalizien 
wollt, wenn Preußen einen Teil seiner alten Besitzungen will, 
so kann sich das machen; aber gegen Entschädigungen. Als⸗ 
dann müßt ihr meine Verbündeten entschädigen. Illyrien zu 
erobern hat mir 300000 Mann gekostet; wollt ihr es haben, 
so müßt ihr eine gleiche Anzahl von Menschen veraus— 
gaben“ usw. Metternich gelang es indessen allmählich, den 
Kaiser mehr zu beruhigen, und schließlich, am 80. Juni, brachte 
er eine Konvention mit ihm zustande, wonach der Waffenstill⸗ 
stand von Poischwitz zum Zwecke von weiteren Verhandlungen 
bis zum 10. August verlängert wurde, der Kaiser die be— 
waffnete Vermittlung Hsterreichs annahm und in eine Konferenz
	        
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