Die Freiheitskriege: 1809, 1818.
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Von ihnen wurde das österreichische Heer in Böhmen, durch
90 -100 000 Russen und Preußen verstärkt, im ganzen etwa
240 000 Mann, als Hauptarmee formiert; sein Oberbefehls⸗
haber, Fürst Schwarzenberg, ein guter Reiterführer, trefflicher
Diplomat und ritterlicher Mann, wurde zugleich, für den Fall
engerer Kooperation aller drei Heere, als Generalissimus des
Ganzen in Aussicht genommen; und mit ihm zogen, nicht
immer zum Vorteil des Ganzen, die drei verbündeten Mon⸗
archen, der lebhafte Alexander, der etwas steife Franz, der
schüchterne Friedrich Wilhelm, in den Kampf. Eine zweite
Armee wurde in Schlesien unter Blücher als Oberstkomman⸗
dierendem und Gneisenau als Generalstabschef aufgestellt. Sie
war weitaus die an geistigen und sittlichen Kräften reichste, an
Zahl aber die schwächste: 95000 Mann. Eine dritte Armee
endlich bildete sich nordöstlich der Elbe als sogenannte Nord—
armee, unter dem Kronprinzen von Schweden. Bernadotte
hatte nämlich während des Waffenstillstandes, der ihn über—
raschte, zu fürchten begonnen, Norwegen könne ihm doch noch
nicht ganz sicher sein; und so blieb trotz der Ereignisse von
Hamburg die dritte Armee mit seiner Person als Oberbefehls⸗
haber behaftet; und nur durch die Anwesenheit einiger unter⸗
nehmender preußischer Generäle, der Bülow und Tauentzien,
wurde eine Art von Ausgleich gegen das laue, wenn nicht gar
verdächtige Generalkommando erreicht. Die Armee zählte etwa
150 000 Mann.
Napoleons Stellung gegenüber diesen Armeen in Nord—
böhmen, Schlesien, Nordostelbien war zunächst keine ungünstige.
Er hielt die Elblinie mit dem Zentrum Dresden; er konnte
nach allen Seiten unter dem Vorteil der kürzesten Operations—
linie Diversionen unternehmen und hatte damit ein doppeltes
Recht, sein Prinzip des Initiativangriffes anzuwenden. Frei—
lich war dabei schon ungünstig, daß der Feldzugsplan der
Verbündeten ihm dieses Recht von vornherein zugestand und
mit ihm rechnete. Und von diesem Standpunkte aus ergab
sich denn auch für die Verbündeten ein sehr einfacher strate—
gischer Grundsatz: jede der Armeen, die von Napoleon an—
Lamprecht, Deutsche Geschichte. IX. 28