Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

434 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
gegriffen werden würde, sollte zurückgehen, bis Napoleon, der ihr 
folgte, durch den Zumarsch der beiden anderen benachbarten 
Heere zwischen zwei Feuer käme. 
Napoleon, der den 480 000 Mann der Verbündeten jetzt 
etwa 440 000 Mann entgegenzusetzen hatte, beschloß zunächst, 
in das Grundschema seines Feldzugsplans, einen direkten An⸗ 
griff auf Berlin, einzutreten. Da würde ihm die Nordarmee 
entgegentreten müssen: und er kannte Bernadotte zur Genüge, 
um die Chancen eines Erfolges in dieser Richtung, auch ab⸗ 
gesehen von dem Ziele Berlin, als besonders günstig anzu— 
sehen. 
Allein Napoleon ließ die Unternehmung, der er persönlich, 
zu ihrer Flankendeckung gegen die schlesische und gegen die 
böhmische Armee, fern blieb, durch unzureichende Kräfte aus⸗ 
führen. Oudinot wurde, auf dem Vormarsch gegen Berlin 
begriffen, am 23. August durch Bülow bei Großbeeren ge⸗ 
schlagen. Sein weiteres Vordringen war dadurch lahmgelegt; 
er mußte sich auf Wittenberg, das neuerdings stark befestigt 
worden war, zurückziehen, und schlug unter dessen Kanonen am 
2. September sein Lager auf. Das Zurückweichen Oudinots 
aber besiegelte zugleich den Untergang der Division Givard, 
die ihm von Magdeburg her zur Unterstützung zuziehen wollte. 
Sie fiel in die Hände hauptsächlich von Kosaken und von preußi— 
scher Landwehr. Und die Landwehr zahlte bei dieser Gelegenheit, 
nach anfänglicher Verwirrung, den Franzosen zum ersten Male 
grimmig heim. Mit wilder Wut fiel sie über ganze Bataillone 
her und bearbeitete sie mit dem Kolben, bis Mann und Maus 
verloren waren. 
Napoleon hatte inzwischen seine Hauptmacht in der Lausitz 
gesammelt, in der Absicht, die Berliner Unternehmung gegen 
Böhmen wie gegen Schlesien zu decken. Dabei wandte er sich 
seit dem 20. August vornehmlich gegen Blücher. Als dieser 
aber darauf, dem Feldzugsplane der Verbündeten entsprechend, 
zurückwich, begriff er alsbald die Absicht, sah, daß er ihm 
nicht zu weit folgen dürfe und zog sich seinerseits auf Dresden 
als sein bestes, leicht zu befestigendes und zu haltendes Zentrum
	        
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