Die Freiheitskriege: 1809, 1813.
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trat ihm alsbald wieder sein ursprünglicher Feldzugsplan
bor Augen, und von neuem prufte er die Richtung eines
Marsches auf Berlin. Allein durfte er ihn nun diesmal per⸗
zönlich unternehnen? Von neuem machten sich die Er—
wägungen geltend, die ihn bei dem ersten Vormarsche, der mit
der Niederlage von Großbeeren geendet hatte, zur persönlichen
Ubernahme vielmehr der Flankendeckung gegen Schlesien und
Böhmen veranlaßt hatten; denn wenn jetzt die Hauptarmee einst⸗—
weilen weniger gefährlich erschien, so war Blücher inzwischen
nach der Katzbacher Schlacht bis Bautzen vorgerückt und ein
weit mehr zu beachtender Gegner geworden. So schien denn
Rapoleon nichts übrig zu bleiben, als sich auch diesmal per—
sönlich gegen Blücher zu wenden. Aber wiederum wich dieser
aus; schließlich bis zum Queis, über den rückwärts ihm Napoleon
aicht folgen durfte, wollte er nicht sein Zentrum Dresden ge⸗
fährden. Was blieb ihm also übrig? Mißmutig wandte er
sich nach Dresden zurück.
Was aber war inzwischen das Schicksal der Unternehmung
gegen Berlin gewesen? Macdonald, der Befehlshaber der
Wittenberger Armee, hätte bei seinem Vormarsche ins Branden—
burgische von Davoust, dem Eroberer von Hamburg, unterstützt
werden müssen; ja schon vor und während Großbeeren hätte
Davoust gegen die Nordarmee demonstrieren müssen. Allein
es war nicht dazu gekommen und kam nicht dazu; etwas von
Kriegsmüdigkeit, von Übersättigung an Blut und Schlacht be⸗
drängte den Marschall wie die übrigen Generäle des Kaisers.
Er war wohl bis Mecklenburg vorgegangen, aber er ließ sich
hier von Tettenborn und Tschernyscheff, von Lützow und seinen
Leuten beschäftigen. Es waren klassische Augenblicke des
Volks- und Bandenkrieges; noch heute hängen aus dieser Zeit
Fahnen von ärmlicher Seide über dem Ratsstuhl in der
Marienkirche zu Lübeck, mit dem lübischen Wappen, einem
roten Kreuz und den Inschriften: „Gott mit uns! Deutschland
oder der Tod“: rührende Zeugen einer gewaltigen Zeit. In
den Guerillakämpfen dieser Wochen aber ist, bei Gadebusch,
azuch der Sohn der Nation gefallen, von dessen Verson und