440 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
auch Landwehr unter Yorcks Führung bestritt, den Übergang
über den Strom.
Es war ein Schritt, der auch die Nordarmee unter
Bernadotte über die Elbe trieb; am 7. Oktober vereinigten sich
jetzt beide Heere und traten nun gemeinsam den Marsch nach
Leipzig an, um sich dort mit der böhmischen Armee zu treffen.
Damit war man denn auf dem besten Wege, Napoleon den
Rückzug von Dresden zu verlegen; und schon hoffte Schwarzen⸗
berg, ihn womöglich ganz ohne Hauptschlacht aus Deutschland
zu verdrängen.
Napoleon aber beschloß auch jetzt noch nicht eigentlich,
Dresden als Zentrum aufzugeben; er versuchte sich mit aller
Macht über Wurzen und Düben, also der Hauptsache nach die
Mulde hinab, auf Blücher zu werfen und würde diesen ver—
mutlich, zumal nach einer erneuten Hilfeverweigerung von
seiten Bernadottes, erdrückt haben: hätte sich nicht Blücher
durch einen geschickten Abmarsch nach Halle dem Angriffe auf
eine Weise entzogen, die Napoleon nicht einmal sogleich fest⸗
zustellen vermochte. So hatte denn der Kaiser nach Düben hin zu
einem Luftstoß ausgeholt; und als er dessen inne wurde, ging er
dann mit seinem Heere nicht wieder nach Dresden zurück, sondern
nahm den Weg unmittelbar nach Leipzig. Dabei wußte er
wohl, was er damit tat: er hatte Dresden als Zentrum auf—
gegeben und richtete sich jetzt darauf ein, den verbündeten
Armeen, die sich immer mehr auf Leipzig hin konzentrierten,
eine große Schlacht zu liefern, die er noch immer als Offensiv⸗
schlacht dachte.
Es war ein Moment höchster Spannung, der sich da—
mit vorbereitete; standen doch den Verbündeten für einen
Kampf um Leipzig einstweilen nur die böhmische Armee unter
Schwarzenberg, die inzwischen durch das Erzgebirge in der
Richtung auf Leipzig vorgebrochen war, und die schlesische
Armee bei Halle zur Verfügung. Denn Bennigsens russische
Armee war über Dresden her erst im Anzuge; Bernadotte aber
mit der Nordarmee wäre am liebsten wieder in die Gegenden
rechts der Elbe entwichen und ließ sich am 14. Oktober nur