Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

442 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
bärmlich; der Marschall Ney hat später geäußert, die Ver— 
bündeten hätten sich nach der Schlacht bei Leipzig, wenn sie 
gewollt hätten, mit vollständig vorher bestimmter Quartier— 
route direkt auf Paris stürzen können. Zwar hatte Fürst 
Schwarzenberg Sorge getragen, daß Napoleon die Passage an 
der Saale bei Kösen, westlich von Naumburg, gesperrt fand; 
aber der Kaiser gelangte, nach einem Kampfe gegen schwache 
HYorcksche Truppenteile, über Freyburg an der Unstrut dennoch 
auf die große Thüringer Heeresstraße, passierte ohne Schwierig— 
keit Erfurt und den Hörselpaß bei Eisenach und fand erst am 
Main, bei Hanau, den Widerstand einer langsam herbei⸗ 
gezogenen österreichisch-bayrischen Armee unter Wrede, um ihn 
ohne große Mühen zu beseitigen. So entrannen denn angeblich 
noch 70000 Mann französischer Truppen in ihre Heimat, an⸗ 
geblich auch gesund: doch verkamen die meisten später in Wunden 
und Mattigkeit. 
Aber auch abgesehen von dem Schicksal Napoleons waren 
die nächsten militärischen Folgen der Völkerschlacht keineswegs 
die, die man heute erfüllt glauben möchte. Zwar fielen allmählich 
die Festungen, die die Franzosen auf deutschem Boden noch 
besetzt hielten; nur wenige sind bis zum Pariser Frieden in 
den Händen des Feindes geblieben, doch darunter eine so be— 
deutende wie Hamburg. Ebenso wurden die französischen 
Filialherrschaften in Deutschland beseitigt, die Großherzog— 
tümer Berg und Frankfurt, das Königreich Westfalen. Frank— 
furt zerfiel; Berg wurde von den Preußen besetzt; in Kassel 
zog der Kurfürst von Hessen wieder ein, nachdem er sein 
geflüchtetes Geld bei Amschel Rothschild in Frankfurt erhoben 
hatte, schimpfte auf seinen „Verwalter“ Jeroöme und begann, 
unter Ignorierung der sieben Regierungsjahre des Napoleoniden, 
das Regiment der „Siebenschläfer“. 
Allein über diese Ereignisse hinaus geschah im allgemeinen 
wenig. Da mochte der Dichter wohl mahnen: 
Zu Aachen winkt die Kaiserkrone, 
Auf! zu dem heil'gen deutschen Throne, 
Von dem einst Kaifer Karl gebot: — 
(Fr. Chr. Förster.)
	        
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