Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

148 Dreiundzwanzigstes Buch. Fünftes Kapitel. 
unter der Herrschaft der Romanows hinausliefen, noch im 
Dunkeln. 
Im ganzen bedeuteten diese Abmachungen von Teplitz 
wiederum einen wichtigen Sieg Metternichs und seiner öster— 
reichischen Politik gegenüber dem freiheitlichen Gedanken einer 
künftigen Organisation Deutschlands, wie sie Preußen zu ver⸗ 
treten berufen gewesen wäre. Wie anders hatte sich doch nach 
dem Vertrage von Kalisch und selbst noch nach den Prokla— 
mationen im Beginn des Frühjahrsfeldzuges das Schicksal 
Deutschlands gestalten sollen! Noch in den Augusttagen hatte 
Stein in Prag eine Denkschrift für die Monarchen aus— 
gearbeitet, in der die Aufhebung der „Despotie der sechs— 
unddreißig Häuptlinge“ des Rheinbundes unter folgender 
Begründung gefordert wurde: „Einer Neuerungslust, einer 
tollen Aufgeblasenheit und einer grenzenlosen Verschwendung 
und tierischen Wollust ist es gelungen, jede Art des Glückes 
den beklagenswerten Bewohnern dieser einst blühenden Lande 
zu zerstören.“ Jetzt wurde den Staaten des Rheinbundes und 
damit vornehmlich auch den nunmehr in starker Bildung be— 
griffenen Mittelstaaten Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden 
„gänzliche und völlige Unabhängigkeit“ zugesagt, obwohl ihre 
Truppen noch gegen alles kämpften, was Deutschtum und Un⸗ 
abhängigkeit heißen mochte. 
Es war der Anfang schon des künftigen Deutschen 
Bundes: es bedeutete das Deutschland, das Metternich ersehnte, 
ohne zu erkennen, daß er mit der von ihm beabsichtigten 
Schöpfung die Hegemonie deutschen Wesens auch in sterreich 
und damit die Einheitlichkeit der habsburgischen Herrschaft 
selber angriff. Nachdem aber Metternich in Teplitz seinen 
Willen durchgesetzt hatte, verstand es sich von selbst, daß die 
russische und erst recht die preußische Diplomatie in den 
kommenden, entscheidungsreichen Monaten stärker zurücktrat. 
Vermißte man bei Friedrich Wilhelm III. selbst auf dem ihm 
näher liegenden militärischen Gebiete bei aller persönlichen 
Tapferkeit und Einzelerfahrung einen größeren Zug, der sol—⸗ 
datischem Tun erst recht Leben und Recht des Daseins verleiht,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.