Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

4560. Dreiundzwanzigfstes Buch. Fünftes Kapitel. 
lassen, sah es sich anscheinend den Angriffen jenes OÖsterreichs 
gegenüber, das in den Zeiten Josephs II. die mannigfachsten 
Versuche zu seiner Vernichtung gemacht hatte, das von ihm noch 
neuerdings durch die Wegnahme Tirols und Salzburgs aufs 
schwerste gekränkt worden war. Mußte es nicht von Ästerreich 
das Schlimmste erwarten? In der Tat hatte es sich schließ— 
lich in der Napoleon zu leistenden Kriegshilfe lässig gezeigt 
und seine Truppen im Lande zurückbehalten unter der Be— 
gründung, es müsse sich vor sterreich sichern. Wie erstaunt 
durfte man nun unter diesen Umständen sein, als, nach einer 
kurzen Zeit des Zögerns, Metternich erklärte, der Fortbestand 
Bayerns in den bestehenden Grenzen — natürlich unter Rück— 
gabe des jüngsten österreichischen Erwerbes — sei für eine 
große Zukunft Deutschlands und sterreichs wünschenswert, 
und auf der Basis dieser Grundanschauung mit Bayern am 
8. Oktober zu Ried einen Vertrag abschloß, der allein schon 
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keit zu vernichten. Nach ihm wird Bayern die zur politischen 
und militärischen Abrundung der österreichischen Monarchie 
notwendigen Gebiete — gemeint sind damit namentlich Tirol 
und Vorarlberg — abtreten: dafür aber an den für seine Ab— 
rundung günstigsten Stellen — das hieß nach Lage der Dinge 
nach dem Westen zu — vollständigen Ersatz erhalten. Im 
übrigen erhält es seinen ganzen derzeitigen Besitzstand gewähr— 
leistet — worunter auch das preußische Ansbach-Bayreuth — 
und tritt in den Kampf gegen Napoleon ein: zu welchem 
Zwecke der bayrische Oberstkommandierende Wrede, neben dem 
Oberbefehl über seine 20000 Bayern, auch noch Osterreicher 
unterstellt erhält. Das war denn freilich eine Behandlung, 
die jede künftige Beschränkung der königlich bayrischen Souve— 
ränität zu gunsten einer wirklichen nationalpolitischen Einheit 
auszuschließen schien — damit aber auch die Gesinnungen des 
Königs und seines getreuen Ministers Montgelas glänzend be⸗ 
lohnte, nachdem diese schon im Jahre 1812 dem österreichischen 
Geschäftsträger gegenüber laute Klagen gegen Preußen erhoben 
hatten: es trage den Geist der Rebellion in alle Länder, um 
die Bande zwischen Souverän und Untertan zu zerreißen.
	        
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