Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

456 Dreiundzwanzigstes Buch. Fünftes Kapitel. 
Napoleon hätte in diesem Augenblicke, wie früher und 
auch noch später, einen nicht bloß ehrenhaften, nein auch einen 
sogar noch vorteilhaften Frieden haben können: Metternich bot 
ihm den Rhein, die Alpen und die Pyrenäen als französische 
Grenze, falls er die Unabhängigkeit aller europäischen Staaten 
anerkenne; ein Kongreß werde auf diese Grundlage hin die 
Einzelheiten zu ordnen haben. Aber Napoleon blieb selbst auf 
dies für Deutschland geradezu beleidigende Angebot die Ant— 
wort einen Monat hindurch schuldig; und dann äußerte er 
sich mit unannehmbaren Gegenvorschlägen, die Metternich 
gleichwohl nicht mit der nötigen Entschiedenheit zurückwies. 
Erschien neben dem Gewirr dieser Züge und Gegenzüge 
etwas verständig, so war es die stetig festgehaltene Absicht, die 
Einleitung des überrheinischen Feldzuges nicht vom Ausgange 
der diplomatischen Verhandlungen abhängig zu machen. Und fo 
hatten denn die Beratungen über den neuen Feldzugsplan noch 
vor den Negotiationen der Diplomatie, am 7. November, in 
Frankfurt begonnen. Freilich, rasch war es auch hier nicht 
hergegangen. Genug schon, daß eine unmittelbare Fortsetzung 
des Krieges überhaupt, daß ein Winterfeldzug beschlossen wurde. 
Aber erst gegen Ende November wurde man sich über dessen 
Plan ungefähr einig; und erst am 1. Dezember erschien das neue 
Kriegsmanifest der Alliierten. 
Dies Manifest aber war für die, welche ein energisches 
Durchgreifen erwarteten, keine geringe Überraschung. „Nicht 
gegen Frankreich, sondern gegen jene laut verkündete Über— 
macht, welche der Kaiser zum Unglück von Europa nur allzu⸗ 
lange außerhalb der Grenzen seines Reiches ausgeübt hat, 
führen die verbündeten Mächte Krieg . .. Die verbündeten 
Monarchen wünschen, daß Frankreich groß, stark und glücklich 
sei, weil die franzbsische Macht, groß und stark, eine der 
Hauptgrundlagen des europäischen Staatsgebäudes ist. Sie 
wünschen, daß Frankreich glücklich sei, daß der französische 
Handel wieder auflebe, daß Künste und Wissenschaften, diese 
Wohltaten des Friedens, wieder aufbluhen, weil ein großes 
Volk dann nur ruhig sein kann, wenn es glücklich ist. Die
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.