Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Weitere Kämpfe geg. Frankreich; Wiener Kongreß; Heil. Allianz. 4587 
verbündeten Mächte bestätigen dem französischen Reiche eine Aus— 
dehnung des Gebietes, wie sie Frankreich nie unter seinen Königen 
hatte, weil eine tapfere Nation deshalb nicht herabsinkt, daß sie 
nun auch Unfälle in einem hartnäckigen und blutigen Kampfe 
erfuhr, in welchem sie mit gewohnter Kühnheit gefochten hat“ ... 
Wann war wohl je eine solche Sprache von Siegern zu Be— 
siegten geführt worden? Es waren die Anschauungen des 
Zaren, der, nach der angeblich von ihm bewirkten Befreiung 
Deutschlands, von den herben Lehren Steins langsam zu den 
milderen Theorien einer ausgesprochen romantischen Zeit- und 
Geschichtsauffassung hinüberglitt, es waren Anschauungen, die 
nach der Wirkung, die sie tun mußten, trefflich auch in 
Metternichs, ihrem Phrasendunst im übrigen fernstehende Politik 
paßten: schon war jetzt der Siegespreis von Landabtretungen 
vergeben, war einem restaurativen Köniatum der Bourbonen 
das Bett bereitet. 
Aber während die Verbündeten Worte machten, hatte 
Napoleon gehandelt. Eine neue Armee von 300 000 Mann 
war ihm bewilligt worden; dem Widerspruche, der sich im 
Corps législatif zu regen begann, war er durch Aufhebung 
der Sitzungen entgegengetreten. Als die Verbündeten in den 
letzten Tagen des Jahres 1813 die Offensive von neuem auf—⸗ 
nahmen, stand er der Hauptsache nach wiederum gerüstet da. 
Der Feldzugsplan der Verbündeten, wie ihn der sächsische 
General von Langenau, nun in österreichischen Diensten, der 
unglückselige Berater Schwarzenbergs schon bei Leipzig, im 
ganzen wie im einzelnen vielfach beeinflußt hatte, erinnerte 
ftark an die Strategie des 18. Jahrhunderts: und es war be— 
zeichnend, daß damit selbst auf militärischem Gebiete schon restau⸗ 
rative Strömungen zu Oberwasser gelangten. Nicht direkt 
sollte Napoleon angegriffen werden, wie man denn während 
des ganzen Feldzuges eine nicht selten komische Scheu gegen⸗ 
uüber diesem Dämon des modernen Krieges beibehielt, sondern 
indirekt: vom Plateau von Langres aus, nach welchem die 
Hauptarmee aus dem oberen Rheintal in mühsamem Links— 
abmarsch emporstieg. Freilich war auf diesem Wege die
	        
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