Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Weitere Kämpfe geg. Frankreich; Wiener Kongreß; Heil. Allianz. 459 
einigung seiner Armee mit der Hauptarmee stattfinden, und 
schon hatte er seit dem 15. Januar Fühlung mit deren 
rechtem Flügel. Es war mehr, als Napoleon bei der Saum—⸗ 
seligkeit der Verbüundeten erwartet hatte; doch wußte er schließ⸗ 
lich die Vereinigung beider Heere einstweilen noch zu hindern, 
bis er, am J. Februar 1814, bei La Rothiere von Blüchers 
Heer und einem Teile des Hauptheeres unter Wrede geschlagen 
wurde. 
Inzwischen aber waren die Verbündeten in der Auffassung 
ihres Verhältnisses zu Napoleon wieder einmal unschlüssig ge— 
worden. Im Hauptheere hatte sich bei den meisten Führern 
allmählich schon die geistige Verfassung eingestellt, die später 
das Denken Schwarzenbergs völlig beherrschte: man erklärte 
das rasche Vordrängen der preußischen Generäle um Blücher 
für eine Ausgeburt von „Exaltiertheit“ und unzulässiger 
Ruhmessucht; man fand, daß die Besiegung Napoleons, weil 
offenbar zu schwer, gar nicht nötig sei: die kampflose Besetzung 
des Plateaus von Langres sei Ruhmestat genug: jetzt solle 
man Frieden machen. Und in dieser Stimmung, in dem 
Wunsch nach einem Kriege „ohne Blutvergießen“, trafen sich 
die Generäle mit Ausnahme der wenigen preußischen General⸗ 
stabsoffiziere, Gneisenaus etwa und Müfflings, mit der öster⸗ 
reichischen Diplomatie, mit Metternich. Dabei brachte aller— 
dings die Ankunft Viscount Castlereaghs, des leitenden englischen 
Diplomaten, im Hauptquartier eine Zeitlang eine gewisse 
Unterbrechung dieser sich ständig verstärkenden Strömung: 
Napoleon, dessen Herrschaft als die des kaiserlichen Schwieger— 
sohnes Metternich in gewissem Sinne gern erhalten hätte, 
mußte sich eine einstweilen freilich nur theoretische Absetzung 
gefallen lassen, und die französische Thronkandidatur der Bour⸗ 
bons wurde von den Engländern, wie diejenige Bernadottes 
von den Russen in die Erörterung eingeführt. Bernadottes! 
— denn wiederum war jetzt der kluge schwedische Kronprinz 
zur Hand, begann schließlich im Norden, in Belgien, fern vom 
Schuß, eine Armee zu führen, und verhandelte mit Freund und 
Feind über eine größere persönliche Zukunft. Indes diese strengere
	        
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