Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Weitere Kämpfe geg. Fraukreich; Wiener Kongreß; Heil. Allianz. 461 
gab er glänzende Proben seines strategischen Genies. Mit 
unerhörter Schnelligkeit warf er sich zunächst auf die Armee 
Blüchers und drängte sie in vier glänzenden Gefechten, am 
10. bis 15. Februar, zurück; dann schlug er, am 17. und 
18. Februar, die Hauptarmee bei Nangis und Montereau. 
Es waren GEreignisse, die die nur noch notdürftig be— 
wahrte Einigkeit der Koalition ganz zu vernichten drohten. Zwar 
war Schwarzenbergs Armee in ihrem Kerne noch fest und nicht 
geschlagen; und das schlesische Heer hatte sich frischen Mutes 
schon am 16. Februar wieder in Chaͤlons zusammengefunden; 
bedeutende Verstärkungen durften mit Recht erwartet werden, 
und Blücher haͤtte sich hinsichtlich der Disziplin und Zahl 
seiner Truppen alsbald wieder für aktionsfähig erklärt. Aber 
trotzdem, ja trotz doppelter Ubermacht über den Feind ver— 
steifte sich Schwarzenberg jetzt auf die ganz bestimmte Ansicht, 
es sei unmöglich, Napoleon zu schlagen; man müsse sich dem 
Plateau von Langres wiederum anvertrauen, das man nie— 
mals habe verlassen sollen: und verweigerte mit Hinweis 
auf diese Auffassung kurzer Hand die von den preußischen 
Generälen ungeduldig herbeigesehnte Hauptschlacht. Was blieb 
unter diesen Umständen übrig, als eine erneute Trennung der 
Heere, nachdem ihre Aktionen in den letzten Tagen kaum in⸗— 
einanderzugreifen begonnen hatten. Schon am 24. Februar 
schlug das Heer Blüchers wieder seine eigenen Wege ein, und ein 
großer Kriegsrat zu Bar, am 25. Februar, beschloß endgültig 
die eingeleitete Trennung: Blüchers Armee zog nach Norden 
ab, um sich mit einer nunmehr herbeieilenden Nordarmee unter 
Bülow und Wintzingerode zu vereinigen und gegebenenfalls 
allein die vernichtenden Schläge gegen Napoleon zu führen. 
In diesem Moment griff denn freilich auch Schwarzenberg, 
von Friedrich Wilhelm III. bedrängt, endlich wenigstens jene 
Franzosen an, die der Kaiser unter Oudinot und Macdonald 
gegenüber der Hauptarmee zurückgelassen hatte, und besiegte 
sie am 27. Februar bei Bar-sur-Aube. Es ist die Schlacht, in 
der die beiden ältesten Söhne des Preußenkönigs, der Kronprinz 
und Prinz Wilhelm, die Feuertaufe erhielten; Prinz Wilhelm,
	        
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