62 Dreiundzwanzigstes Buch. Fünftes Kapitel.
erst siebzehnjährig, zeichnete sich dabei durch selbständige Hal—
tung in dem Grade aus, daß er mehrere Kriegsdekorationen
erhielt: die ersten militärischen Ehrenzeichen auf der Brust
des späteren ersten deutschen Kaisers aus hohenzollernschem
Hause.
Die wichtigste Folge der Schlacht aber war vielleicht, daß
es, ähnlich wie der Schlacht bei Kulm und Nollendorf die
Teplitzer Verträge gefolgt waren, so jetzt wieder zu einer
engeren Verkettung der Alliierten kam in dem Vertrage von
Chaumont, vom 1. März 1814. In ihm wurde der Bund
der Alliierten auf zwanzig Jahre erneuert und die Entthronung
Napoleons nun endgültig beschlossen; dabei sollten im all—
gemeinen europäischen Bereiche Spanien, die Schweiz und die
Niederlande beim Friedensschlusse volle Selbständigkeit erlangen,
während die deutschen Fürsten, deren Souveränität durch die
Einzelverträge des Herbstes 1813 schon gewährleistet war,
„durch eine föderative Verbindung vereinigt“ werden sollten,
„welche die Unabhängigkeit Deutschlands sichert und verbürgt“.
Man sieht: es war eine neue Etappe erreicht auf dem Wege,
den Gentz als den Metternichs schon vor vier Monaten zu—
treffend gezeichnet hatte.
Natürlich aber waren mit dem Tage von Chaumont die
Verhandlungen des Kongresses von Chätillon so gut als illu—
sorisch geworden; am 19. März wurde er auch formell ge—
schlossen.
Und wiederum sprachen die Waffen ein entscheidendes
Wort: wie fern blieb man schließlich dem friedlichen Kriege,
von dem Schwarzenberg und seine Umgebung geträumt hatten:
und wie viel mehr Blut kostete am Ende der Traum eines
solchen Krieges, als ein festes militärisches Auftreten von vorn⸗
herein erfordert hätte.
Die Initiative aber stand jetzt ganz bei der Armee Blüchers
und der Nordarmee, da sich Napoleon schon vor der Schlacht
von Bar-sur-Aube persönlich gegen sie als gegen den Haupt-—
feind gewendet hatte. Und diese Armee war um so mehr
in der Lage, den Ausschlag zu geben, als von ihrer