Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Weitere Kämpfe geg. Frankreich; Wiener Kongreß; Heil. Allianz. 467 
Anders freilich klang die Stimme der Wissenden. Um 
diese Zeit schrieb Justus Gruner: „Die deutschen Angelegen⸗ 
heiten werden nimmermehr auf eine die Erwartungen der 
Verständigen befriedigende Weise geordnet werden können. 
Bayern und Württemberg wollen sich nicht in das gemeinsame 
Baud fügen. Metternich, durch seine partiellen Friedensschlüsse 
mit selbigen, hat den verbündeten Mächten die Möglichkeit 
genommen, auf selbige einzuwirken; und nun begünstigt er, 
zum Vorteil Osterreichs und zum Schaden Preußens, Bayerns 
Interesse auf eine unziemliche Art durch geheime Machi— 
nationen.“ 
Dennoch befestigte sich in Deutschland einstweilen noch die 
vertrauensvolle Stimmung; denn sie wurde getragen durch das 
Bewußtsein, daß kriegerische Großtaten dem Deutschtum die 
Achtung des Auslandes wieder gewonnen hatten. Erwacht 
schien man damit zur Tat; ein neues staatliches Leben neben 
aller Breite der Bewegung auf literarischem und künstlerischem 
Gebiete schien in Einheit und Größe erstehen zu müssen. 
III. 
Zur Erledigung der noch schwebenden Fragen war gelegent⸗ 
ich des Pariser Friedens ein Kongreß in Aussicht genommen 
worden; er sollte binnen zwei Monaten nach diesem Frieden 
in Wien zusammentreten; und für ihn hatten sich die vier 
großen kriegführenden Mächte, Rußland, Preußen, Osterreich 
und England, die Regelung wenigstens der Gebietsfragen in 
ausschließlicher Verhandlung vorbehalten. Es war da ein unend⸗ 
— nach den Wirren der letzten zwei Jahr⸗ 
zehnte zu lösen; wohin die Zeitgenossen den Blick lenkten, nament— 
lich auf mitteleuropäischem Boden, da fiel er auf Provisorisches, 
auf jüngste Entwicklungen, auf tausend Anspruche und tausend 
Verwahrungen: nichts schien beim ersten Zusehen fest; dem 
Kongreß waren darum nach dem Kriegszustande eines Viertel⸗ 
ahrhunderts Aufgaben nicht minder schwierigex Art vorbehalten, 
vie sie einst am Abschlusse des Dreißigjährigen Krieges die 
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