Weitere Kämpfe geg. Frankreich; Wiener Kongreß; Heil. Allianz. 471
Aber war schon etwas zur positiven Lösung dieser Frage, die nach
preußischer Ansicht nur in der Einverleibung Sachsens in
Preußen bestehen konnte, geschehen? Sachsen stand noch
unter dem Sequester der Alliierten überhaupt. Und von wem
wurde denn die Einverleibung Sachsens in Preußen noch ge⸗
wünscht? Etwa von Hsterreich? Nur die deutschen Patrioten
forderten jetzt noch eine so energische Bestrafung des Hauses
Wettin. Aber tausendstimmig erschollen ihrer Ansicht entgegen
Worte der Verwahrung aus Sachsen selbst; und der zu⸗
nehmenden legitimistisch-restaurativen Strömung wurde all—
mählich jede Anschauung der Patrioten an sich schon, gleich—
gültig welches ihr Inhalt war, verhaßt: denn dieser eifrige
Patriotismus sei höchstens Sache der Kriegszeit gewesen; jetzt
ber lebe man im Frieden, und Stulpstiefel und Reithose
hätten Seidenstrümpfen und Escarpins zu weichen.
Preußen konnte höchstens an Rußland einen Freund und
Helfer finden. Allein hier hinderte ein sonderbares Miß⸗
auen, bis zu einem gewissen Grade auch die ungenügende
Bereitschaft und Fähigkeit der preußischen Diplomatie, die
richtigen Gelegenheiten zur Aussprache voll auszunutzen, lange
Zeit hindurch, ja — Verständigung.
der Zar Alexander hat vom Beginne des Feldzuges an im
Grunde seines Herzens die Erwerbung Polens im weitesten
Umfange als Lohn seiner kriegerischen Beteiligung angesehen;
und er schwärmte dafür, diesem Polen eine freie Verfassung
zu geben. Aber bei der tatsächlichen Beteiligung Hsterreichs
und Preußens an dem polnischen Besitze seit den Teilungen
des 18. Jahrhunderts fand er nicht den Mut der Aussprache
gegenüber diesen seinen Bundesgenossen und ließ sein Ziel
n Dunkeln, so sehr ihn die Beteiligung Sachsens an dieser
Frage — der König von Sachsen war zugleich Großherzog
hon Warschau — dazu hätte veranlassen können, wenigstens
zgegenüber Preußen seine Ziele genauer zu präzisieren von dem
Augenblicke an, da dieses die Einverleibung Sachsens in das
dreußische Staatsgebiet in Aussicht nahm. Die Folge hiervon