Weitere Kämpfe geg. Frankreich; Wiener Kongreß; Heil. Allianz. 477
denn auch auf dem Kongresse einem letzten Abschlusse zu—
gedrängt; am 25. Mai wurde die Kongreßakte geschlossen.
Kommt es jetzt darauf an, den Inhalt der Wiener Ab—
machungen im ganzen zu uberschauen, so haftet der Blick am
ehesten an der Hmittelbaren Auseinandersetzung der vier
alliierten Großmächte, denn sie hatte den Kern aller und vor
allem auch der schwierigsten Verhandlungen gebildet. Da ist
denn zunächst über England wenig zu sagen: es behielt den
Kolonialzuwachs, den der Pariser Friede ihm gebracht harte,
insbesondere einen Teil der holländischen Kolonien in Guayana,
Ceylon, das Kap der guten Hoffnung und die ehemals holländi⸗
schen Kontore in Ostindien, und erwarb dazu die Schutzherrschaft
aber die Jonischen Inseln. Rußland erhielt den größesten Teil
des bisherigen Großherzogtums Warschau, 1700 Geviertmeilen
mit etwa 2i/2 Millionen Einwohnern, als ein Königreich Polen
mit eigener Verfassung, das durch Personalunion auf ewig mit
dem Zarentum verbunden sein sollte; Krakau wurde unter dem
Schutze Rußlands, Hsterreichs und Preußens als Republik
organisiert. Hsterreich empfing aus der polnischen Landmasse
Galizien, wurde im Besitze von Salzburg sowie von Tirol und
Vorarlberg, die Bayern abtreten mußte, bestätigt und erreichte
in Italien und dessen Dependenzen durch die Annexion Illyriens,
Dalmatiens und Venetiens einen gewaltigen Umfang. Es hieß
die Aufgabe der alten Reichspolitik sfterreichs im deutschen
Südwesten und darüber hinaus zugunsten in dieser Form
neuer, italienischer Bestrebungen. Es war eine unfruchtbare
Ablenkung althergebrachter osterreichischer Staatsziele, da unter
ihr die kolonisatorische Richtung des Staates nach dem Süd⸗
osten zu litt, ohne durch etwas anderes als ein Zwangsregiment
iiber eine an Kultur überlegene Nation von naturgemäß kurzer
Dauer sersetzt zu werden. Es war zugleich, bei der Absonderung
hon Deutschland, die Beseitigung der alten Hegemonie der
deutschen Kulturelemente innerhalb des Ostreiches selbst und damit
der Anfang jener Zersetzung, deren fortschreitenden Prozeß das
19. Jahrhundert erlebt hat. Preußen dagegen wuchs durch
den endgültigen Gebietsabschluß, den es jetzt erhielt, eben erst