Weitere Kämpfe geg. Frankreich; Wiener Kongreß; Heil. Allianz. 483
Form für sich behalten. Doch blieb auch nach der Restau—⸗
ration des bourbonischen Königtums in Palermo wie in
Neapel die Stellung sterreichs in Italien mächtig genug;
Ferdinand konnte nur sub umbra alarum aquilae Austriacae
regieren; mehr wie jemals seit den Zeiten Josephs J. und
Karls V., ja seit den Zeiten vielleicht der Staufer herrschte
auf der Halbinsel mitteleuropäischer Einfluß.
Für die Verbündeten aber schienen die Anfänge wie der
Ausgang Murats noch einmal den bündigsten Beweis für die
Welteroberungspläne des napoleonischen Hauses zu erbringen.
Sie wandten sich daher mit gewaltigen Heeresmassen gegen
dessen Haupt; von Oberitalien durch die Provence, von der
Schweiz über das genugsam bekannte Plateau von Langres,
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einzufallen; selbst wenn er gewollt hätte, hätte sich Napoleon
einem erneuten Kampfe um seine Herrschaft nicht entziehen
können.
Und so beschloß er denn, den Verbündeten entgegenzu—
treten, ehe sie ihre ganze erdrückende Übermacht entfaltet hatten.
Anfang Juni wandte er sich mit 128 000 Mann von Paris
plötlich nach Belgien zu, wo sich eben ein englisch-deutsches
Heer unter Wellington und ein preußisch-deutsches Heer unter
Blücher, mit Gneisenau als Generalstabschef, formiert hatten.
Beide Heere waren in dieser Zeit noch nicht in naher Ver—
bindung miteinander; nur bei Charleroi trafen sich ihre Vor—
posten; Wellington, der von der Höhe von Charleroi nach
Westen zu stand, rechnete darauf, daß Napoleon versuchen
werde, ihn vom Meere und damit von der Verbindung mit
England abzudrängen: und daß er bei dieser Gelegenheit von
selbst dem im Osten stehenden vreußischen Heere näher kommen
werde.
Indes Napoleon zog einen anderen Weg vor, der noch
einmal die geniale Intuition des großen Strategen zeigte.
Am 6. Juni schlugen seine Truppen die Richtung auf Charleroi
ein: der Kaiser war entschlossen, sich in die Lücke zwischen
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