484 Dreiundzwanzigstes Buch. Fünftes Kapitel.
beiden Armeen zu werfen und zunächst Blücher, dann Wellington
zu vernichten, um darauf in der Aureole junger Siege nach
Paris zurückzukehren und den nationalen Widerstand gegen die
Fremden überhaupt in größerem Maßstabe zu organisieren.
In der Tat gelang es ihm, wenigstens zum Teil, den
ersten Punkt seines Programms durchzuführen. Rasch stürzte
er sich auf Blücher und besiegte ihn, am 16. Juni, bei Ligny;
spät am Abend erst fiel die Entscheidung; Blücher selbst suchte
noch einmal das Glück an seine Fahnen zu fesseln, indem er an
der Spitze eines Husarenregimentes eine Attacke mitritt; nur
mit Mühe ist er durch seinen Adjutanten Nostitz gerettet
worden; und zwei Stunden hindurch war das Hauptquartier
ohne Nachricht über das Schicksal des obersten Feldherrn.
So fiel Gneisenau die volle Verantwortlichkeit für die Leitung
des Rückzuges zu; er hat ihn in geregelte Formen gebracht,
so daß die Truppen schon in den nächsten Tagen wieder
kampfestüchtig waren, und er hat ihn nicht nach Osten zu aus—
geführt, wie es am natürlichsten schien und auch von Napo—
leon vorausgesetzt wurde, sondern nach Norden, in einer
Richtung, die die spätere Vereinigung des preußischen Heeres
mit Wellington und damit einen schließlich gemeinsamen Sieg
beider Heere nicht ausschloß.
Dennoch war die Schlacht von Ligny ein starker Erfolg
für Napoleon, zumal sich der Marschall Ney gleichzeitig bei
Quatrebras wenigstens einigermaßen gegen die Angriffe von
Heeresteilen Wellingtons unter der Führung des Prinzen von
Oranien hielt!.
Freilich: sollte der Erfolg voll ausgenutzt werden, so be—
durfte es des unmittelbaren Angriffes gegen das Westheer und
der Vernichtung Wellingtons. Und hier, in einer entscheidenden
Stunde, hat der Kaiser, trotz voller Klarheit über das Ziel,
im einzelnen zu viel geschwankt und gezögert; die alte Hurtig—
Das Gefecht bei Quatrebras war der Kampf, in welchem der Herzog
Friedrich Wilhelm von Braunschweig, der Held des Braunschweigerzuges
vom Jahre 1809, tödlich verwundet wurde.