188 Dreiundzwanzigstes Buch. Fünftes Kapitel.
Es sind Zusammenhänge, deren weitere Betrachtung und
Vergleichung mit den Ereignissen vor und nach den Hundert
Tagen erst zur richtigen Wurdigung des Geschehenen führt.
Die Kämpfe der Jahre 1809, 1812 und 1813 waren echte
Freiheitskriege gewesen: um die Befreiung der Nationen, der
Russen, Spanier, Deutschen, Italiener, vom äußeren Joche
zunächst der napoleonischen Herrschaft hatte es sich gehandelt.
Aber sie waren zugleich auch noch Freiheitskämpfe in einem
anderen, tieferen Sinne. So vor allem auch in Deutsch⸗
land. Indem, an erster Stelle wiederum in Preußen, die
Massen aufgerufen, indem ihre Energie und ihr Intellekt
mobil gemacht wurden, ging durch sie, ja in den Tagen der
gewaltigsten Ereignisse durch die Nation überhaupt zum ersten
Male etwas mehr als eine frohe Ahnung nur dessen, was
man Demokratismus des 19. Jahrhunderts nennen kann.
Man fand sich wie jetzt zu militärischem, so dereinst zu poli—
tischem Tun berufen: politische Freiheit, wenn auch noch in
sehr mäßigen Grenzen, ward zur Losung der besten Stunden.
Und mit diesen ersten leisen Regungen des Liberalismus als
Volksströmung verband sich der Patriotismus, das lautere
Vertrauen auf die Stärke. der reine Glaube an die Größe des
Vaterlands.
Nationalismus und Liberalismus waren damit wie die
wertvollsten Motive so die größten Errungenschaften der Frei⸗—
heitskriege; innerlich aufs tiefste in dem Gesamtfortschritte des
Seelenlebens verankert und aufs innigste miteinander ver—
schwistert, die politische Ergänzung der literarischen und künstle⸗
rischen Haltung des Klassizismus, traten sie als kostbarste Frucht
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Aber war es nicht auch Nationalismus und Liberalismus
geweͤsen, was Napoleon für die Herrschaft der Hundert Tage,
wenn auch vielleicht nicht vollkommen ehrlich und nicht eben in
jugendlicher Begeisterung, sondern aus der Not nicht minder herber
Erfahrungen her auf seine Fahne geschrieben hatte? Wie ver—⸗
schiedenartig man auch die innersten Vorgänge in der despotisch
angelegten Seele des Kaisers zu entziffern geneigt sein mag, folgte