Weitere Kämpfe geg. Frankreich; Wiener Kongreß; Heil. Allianz. 489
man seinen Worten, so leitete eben er mit dem Programm eines
liberalen und konstitutionellen Kaisertums zum ersten Male eine
Versöhnung der höchsten Bestrebungen des politischen Subjek⸗
tivismus mit einer anders gearteten Vergangenheit ein: schien
eben er zum ersten Male Führer einer weit entwickelten Nation
werden zu sollen hinein in die noch dunkle Zukunft der neuesten
Zeiten.
—D Angriffe der
Alliierten, allen vorweg Metternichs, gegen den Napoleon eben
auch dieser Observanz richteten. Gewiß: der Krieg gegen Frank⸗
reich im Jahre 1815 erschien noch Tausenden und Abertausenden
als Freiheitskampf, vor allem so manchem in dem durchdringen⸗
den politischen Denkens nicht gewöhnten Preußen: aber den
leitenden Kreisen, Potentaten wie Ministern, war er nicht
minder, ja bei weitem mehr zugleich ein Kampf selbst gegen
die gemäßigten Prinzipien der Revolution, gegen nationale
Einheitsbestrebungen und Liberalismus.
Und nun waren in diesem Kampfe, in ihrer Kombination
mit den Schicksalen eines Despoten, eben diese revolutionären,
diese freiheitlichen Prinzipien, diese Lebensformen des kommenden
Jahrhunderts unterlegen!
Es war ein Zusammenhang, der schon deutlich den Ab⸗
schluß des Krieges, den Meinungsaustausch der Verbündeten
in Paris, die Friedensverhandlungen und den Friedensschluß
beherrschte: der einen noch viel überraschenderen Ausdruck fand
in der Urkunde der Heiligen Allianz vom 26. September 1815.
Als die verbündeten Monarchen, Kaiser Franz, der Zar
und Friedrich Wilhelm, in Paris eintrafen, fanden sie zunächst
die erneute Herrschaft Ludwigs XVIII. schon als eine fertige
Tatsache vor, wenn auch als eine für die Grundanschauungen
wenigstens Metternichs nicht unangenehme Tatsache; mit ihr
also, insbesondere mit Talleyrand als neuem königlichen
Minister des Auswärtigen, war der Friede zu verhandeln.
Demgemäß waren die Aussichten für einen guten, ins⸗
besondere einen Deutschland günstigen Friedensschluß von vorn—
herein schlecht.