Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Weitere Kämpfe geg. Frankreich; Wiener Kongreß; Heil. Allianz. 491 
als gelegentlich des Pariser Friedensschlusses, forderten jetzt die 
deutschen Patrioten den Rückfall von Elsaß und Lothringen; 
man darf sagen: einstimmig war die öffentliche Meinung in 
diesem Wunsche. Unter den Diplomaten machten sich Stein, 
Gneisenau, Hardenberg zu Dolmetschern dieser Meinung, indem 
sie ganz Elsaß⸗Lothringen oder wenigstens Teile der Länder 
forderten; unter den deutschen Fürsten war es der Kronprinz 
von Württemberg, der dem Zaren, seinem Schwager, mit ein⸗ 
dringlichen Worten, wenn auch wohl nicht ganz ohne parti— 
kulares württembergisches Interesse, die militärische Notwendig⸗ 
keit der Zession klarzumachen suchte; unter den Großmächten 
vertrat Preußen lange Zeit hindurch das nationale Anliegen. 
Aber hatte man damit Erfolg? Welche Gelegenheit wäre 
für Osterreich gegeben gewesen, in diesem Zusammenhange unter 
irgendwelcher Form wieder eine südwestdeutsche Stellung zu 
entwickeln! Metternich dachte nicht daran. Er sah in der 
Forderung vor allem das nationale Element, das er dem liberalen 
nahe verwandt wußte; und schon die Tatsache, daß sie von 
Preußen vertreten wurde, genügte ihm, sie zu verwerfen. 
Sollte sich da der Zar ihrer annehmen? Abgesehen von be— 
reits erörterten Motiven, die ihn in das Lager Metternichs 
treiben mußten, war er eben jetzt vollends in einem innerlichen, 
antiliberalen Umwandlungsprozesse begriffen, dessen äußern 
Verlauf wenigstens wir bald kennen lernen werden, und 
damit für das Verständnis der deutschen Forderung, auch in⸗ 
sofern sie nichts als eine nationale war, verloren. 
Nach viermonatlichen Verhandlungen kam es zu einem 
Friedensschlusse, der Frankreich nur wenig schädigte. Es zahlte 
die Lappalie von 700 Millionen Franken als Kriegsentschädigung 
und behielt noch immer im wesentlichen die Grenzen aus der 
letzten Zeit des alten Königtums, so wie sie der Hauptsache 
nach bis zum Jahre 1870 bestanden haben. Danach fiel das 
Herzogtum Bouillon mit zwei kleinen Festungen an die Nieder— 
lande, mußten Saarlouis und Saarbrücken an Preußen und 
Landau mit seiner Umgebung an Bayern herausgegeben werden, 
kam ein Teil von Savoyen an Sardinien, und erhielt Monaco
	        
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